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Lehrbuch der höheren Seelenkunde; oder: psychische Anthropologie : eine Vorarbeit in Absicht auf die Hauptlehren vom Höchsten der Menschheit ; auch für Kirche und Staat
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sche Vernunft, noch immer feststehen sollte, müßten wirauch die Bildung der Vernunft aufführen: aber dann gäbees eine nnd keine. Welche unnöthige Scholastik undwelche Verwirrung!

Der Wille ist die zur Verwirklichung der Vernunft,im ganzen Umfange eines menschlichen Seyns, bestimmteKraft. Der Verstand kommt, nach seiner Bestimmung,bloß hinzu als Organ und Werkzeug derselben: erstensin Absicht auf die Wissenschaft, und letzteres in Absichtauf das äußere Leben. Wollte man den Verstand auchvor des Willens (ursprünglicher) Thäligkeit aufstellen, alsoden Verstand auch in der Vernunft Vermögen der An-kündigung des Uebersinnlichen auffassen, weil etwa dannauch das Gewissen, eben diese Ankündigung, ein Bewußt-seyn genennt werden müsse: so würde unS durch diese Vor-stellung über jenen geistigen Vorgang (Prozeß) wohl keinweiterer Aufschluß gegeben, sagte man auchIntelligenz",und dagegen eine neue Schwierigkeit herbcygeführt, indemwir sodann mit Einem und demselben Worte zwey wesent-lich verschiedene Bedeutungen verknüpfen müßten. Odersind ein Verstand, der vor deö Willens Thätigkeit hergeht,und ein Verstand, der unter die Botmäßigkeit desselben ge-setzt ist, nicht wesentlich verschieden? Und wenn ein ver-dienter, über seinen Meister hinausgehender, Freund derKantischen Kritik erst das Herz, nicht den Willen, zuerstaufführte, und dann, mit besonderm Nachdrucke, den Ver-stand als die Kraft der Selbstbeherrschung aufstellte;so stand ihm ohne Zweifel der Wille als die Eine Kraftder Selbstbestimmung, der Frey- oder Selb st-thätigkeit mächtig entgegen. De Wette, in seinenVorlesungen über die Sittenlehre, redet (B. 1 ., S. 356.)erst von der Selbstkenntniß in Betreff des Uebersinnlichenin uns, und füget dann bey:Diese Selbsterkenntniß kannnur durch den guten Willen gelingen, indem der Ver-