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Lehrbuch der höheren Seelenkunde; oder: psychische Anthropologie : eine Vorarbeit in Absicht auf die Hauptlehren vom Höchsten der Menschheit ; auch für Kirche und Staat
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Gegensatz derselben mit der Kraftlosigkeit oder menschlichenBeschränktheit ingeheim wirkt.

Wo freylich die formale, logische Bedeutung des Wor-tes Vernunft, jene alte, eingewurzelte, noch obwaltet oder nachwirkt: da heißt dieselbe natürlich eine Kraft. Undnatürlich erscheint da die höchste, die erste Geisteskraft, in-dem, vermöge des waltenden Intellektualismus, die söge,nannte Vernunft nichts weiter ist als der gesteigerte, hö-here und höchste Verstand. Selbst dietheoretische Ver-nunft" von Kant tritt dergestalt auf. Was ist aber dannseine praktische"? Denn ein Formales soll hoffentlichdiese nicht seyn! Nein, wo die reale Bedeutung, jene hö-here und Eine, durchgegriffen hat: da erscheint die Ver-nunft weder als ein Praktisches noch als ein Theoretisches,wohl aber als Grundlage jedes Weiteren, waö menschlich ist.Wie nun die Freiheit das praktische Vermögen heißen kann;so heißt der Wille füglich, aber zugleich ausschließlich, diepraktische Kraft. Darum wird solchen Wesen, denender Wille nicht zukommt, auch keine Praxis zugestanden.Selbst jede untergeordnete Bedeutung des Praktischen, imKreise des äußern, gemeinen Lebens, wird durch jene desWillens bedingt und (direkter oder indirekter Weise) bestimmt.Nur dem Dichter ist auch hier, selbst indem er in diesenLebenökreis eingeht, eine andere Sprache verstauet.Undwie L- das Denkvermögen oder auch der Verstand, als sol-ches betrachtet, das theoretische Vermögen genannt werdenkann; so heißt selbiger dann, indem er als Denkkraft her-vorgehet, mit demselben Grunde auch die theoretischeKraft.

Wollte hingegen eine neuere Psychologie, sprechendvom Höchsten und Tiefsten, den Willenunsere Haupt-kraft, und die Vernunft unsere Grundkraft" nen-nen ; so wäre dieser Ausdruck offenbar, wie kräftig er auchklingen möchte, nicht zureichend. Auch wäre eine Auffüh-rung des Willens vor der Vernunft unstreitig eine Verkehrt-heit (ein Hysteron Proteron), zumal wenn das letztere Wort