Druckschrift 
Lehrbuch der höheren Seelenkunde; oder: psychische Anthropologie : eine Vorarbeit in Absicht auf die Hauptlehren vom Höchsten der Menschheit ; auch für Kirche und Staat
Entstehung
Seite
199
Einzelbild herunterladen
 

199

untere Begehrungövermögen (2), ja wohl auchdas G e h l s v e r m ög e n (? ?) gerechnet wurden.Ja in der neuesten Zeit ist auch die Sinnlichkeit, obwohldie reine, alseine Kraft oder (?) ein Vermögen derSeele" aufgetreten. Aber, fürwahr, das Bessere und selbstTiefere, was dabep vorkam, soll auch hier nicht verkanntoder in Schatten gestellt werden.

Ein ausgezeichneter Freund der Kantischen Lehre hatletzthin Vernunft und Phantasie (schlechthin) alsunsere höchsten Geisteskräfte" aufgestellt. Alleindie Vernunft kann, dem Obigen zufolge, nicht Kraft, wennauch die allerhöchste, genannt werden. Ward doch niemalsdie Freiheit, obwohl der Wille, mit diesem Worte bezeich-net! Immer wird, wenn von menschlicher Kraft die Nedeist, entweder ein Brauchbares und mithin auch Mißbrauch-bares, oder doch ein Unentschiedenes gesetzt: s) das Elfte-re, wenn von den Kräften die Nede ist, welche bedingterArt sind; und b) das Letztere, wenn von jener Kraft ge-redet wird, die zwar aus dem Unbedingten hervorgehet,aber dann, weil eben dieses ein Beschränktes ist, auch ab-fallen oder von dem Göttlichen weichen kann. Aber «inAbfall der Vernunft ist nicht denkbar, wenn die oben ge-gebene Ansicht volle Gültigkeit hat. Dann ist dieselbe viel-mehr i) in der Philosophie überhaupt selbst mit dem Gött-lichen Eins, oder dem Göttlichen überhaupt, und nur2) in der Moral- und NeligionSphilosophie, als menschlicheVernunft, ein Vermögen aber keine Kraft!: das Ver-mögen der Ankündigung des Göttlichen, während diesesVermögen selbst als ein wahrhaft Göttliches vorausgesetztist.

Und warum hat man niemals von denKräften Got-tes" gesprochen? Za warum erlaubt der Genius unsererSprache keinem Gesunddenkenden diese Nede? Nur alseine Art von Metapher kommt, in populären Schriften,«auchdie Kraft Gottes" vor; und diese ist offenbar Einsmit der göttlichen Macht, während zugleich ein ästhetischer