Druckschrift 
Lehrbuch der höheren Seelenkunde; oder: psychische Anthropologie : eine Vorarbeit in Absicht auf die Hauptlehren vom Höchsten der Menschheit ; auch für Kirche und Staat
Entstehung
Seite
195
Einzelbild herunterladen
 

--D> 195

solche nicht wohl hervorgehen. Dagegen erscheint sie umso mehr bey dem Blicke auf die Erhabenheit des Menschenüber daS Natur-Individuum. Auch wurde auf der anderenSeite keine Empfindungskraft im Ernste der Wissenschaftausgestellt, wenigstens in Bezug auf den Menschen, sey «Sauch, daß der Zoolog von einer solchen Kraft rede. Sagtman aber von einem Menschen:Er empfindet nichts mehr",oder auch:Er hat keine Kraft mehr, etwas (dies oder je-nes) zu empfinden"; so spricht eben der Physiolog. Uudwenn irgend Einemdie Kraft, daS Gute, Schöne re. zufühlen" abgesprochen wird; so ist hier die Kraftlosigkeitnicht jener Kraft entgegengesetzt, welche vor der menschlichenThätigkeit hergeht, und so noch ein Objektives, dem Men-schen als Subjekte Gegebenes ist. Sondern dieselbe stehtderjenigenKraft" entgegen, die eigentlich Kräftigkeit undmit der sittlichen Stärke Eines, also ein Erworbenesist, auf dem Wege der sittlichen Bildung, wie diese alsFortbildung eintritt. Wohl aber dürfte in Ansehung jenerErgriffenheit des Subjekts, welche nächst der Ankündigungdes metaphysischen Objekts eintritt, mit gutem Grundeauch die Gefühlömachtnach dem Gefühlsvermögenaufgestellt werden.

AuS der Freyheit hingegen geht bestimmt und entschie-den eine Kraft hervor, welche, wie daö Gewissen die Stim-me der Vernunft, eben darum und nächst dieser die Kraftder Freyheit genannt werden kann: der Wille, die Einefrcye und dann freythätige Kraft, während die Selbsttha-tigkeit mit der Freythätigkeit Eins ist, und folglich nur demMenschen, als Subjekte, beygelegt werden kann.

Also der Wille ist, wie die Eine freye und dann frey-oder selbstthätige Kraft, so auch die Eine höhere Kraftdes Geistes, der Seele, des Gemüths. Gleichwie aber diemenschliche Freyheit als solche, d. h. als beschränkte, zwarein Vermögen des Guten, aber zugleich mit der Möglich-keit deS Bösen oder des Abfalls behaftet ist; so kann auch