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Lehrbuch der höheren Seelenkunde; oder: psychische Anthropologie : eine Vorarbeit in Absicht auf die Hauptlehren vom Höchsten der Menschheit ; auch für Kirche und Staat
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langen... vorsinden und, ohne sich zu verwirren, eine nachund neben der andern wieder heraufsteigen können. Welchein Wunder, welch ein Werk der schöpferischen Macht undWeisheit!! *) Daher mag auch das Erinnerungsvermö-gen, wie das Erkenntnißvermögen, füglich in das höhereund niedere abgctheilt werden. So gehet das Erster« selbstauf die Vernunft und Freyheit zurück, ohne jedoch dieDenkkraft, wie davon das Gedächtniß abstammmt,und die Phantasie, welche dann „reproduktiv" heißt, auö-zuschließen. — Das Letztere aber hat der Mensch allerdingsmit dem bloßen Thiere gemein, wie sich dann eben bey sol-chen Erinnerungen oder solchem Gedächtnisse überall keineeigentliche Selbstthätigkeit, sondern bloß eine mechanischbestimmte Lebensthätigkeit einfindet. Auch kann eben da-rum der menschliche Traum, wie im Traume überhaupt jenePhantasie vortritt, nicht von diesem Erinnerungsvermögenallein abgeleitet werden. Za dem Menschen kommt selbstein höheres Vermögen zu — träumen zu. Und sey auchdas menschliche Erinnerungsvermögen mehr als jedes an-dere von der Physis abhängig: es muß doch zuvörderst alspsychisches Vermögen erfaßt und aufgestellt werden. DerVerlust des Gedächtnisses durch einen Schlag oder Unfall,welcher den Körper traf, beweiset wohl die gegenwärtigeAbhängigkeit des Geistes von demselben. Allein darausfolgt keineswegs, daß bey der Trennung vom Leibe auchjenes Erinnerungsvermögen dahin schwinde. Wie könntesonst eintreten, was die Philosophie weiterhin aufzuweisenhat: die Sittlichkeit in ihrem Fortgange und eine derselbenentsprechende Seligkeit?!

2. Nun mag das Ahnungsvermögen besonderszur Sprache kommen, und zwar sich anschließend auf dereinen Seite an das Erkenntniß - und auf der anderenSeite an das ästhetische Vermögen. Jedoch auf das Er-

) Nach Fenelon „Oe l' existeuce se Oieu.«