Aber können wir nicht, mit gutem Grunde, auch einZusammengesetztes als Vermögen aufstellen?
L. Drey zusammengesetzte Vermögen.
1. Das höhere und niedere Denkvermögen findet sichüberall nicht vor. Auch könnte jenes Beywort nur den hö-heren Grad und so etwa das Vermögen der Wissenschaft(nach dem Obigen) bezeichnen. Und würde auch das Denk-vermögen überhaupt aufgestellt, sodann in das Vermögender Begriffe, der Urtheile und Schlüffe abgctheilt, und da-her nach dem Vermögen der Begriffe mehr als Ein höhe-res Denkvermögen ausgestellt: so beträfe es Loch immerhinbloß die Form, nach deren Bestimmung für jedwede Sache.Entschieden ist dagegen langst, und zwar in Betreff desSachlichen, das höhere und niedere Erkenntniß-, vermögen; und wenn die Beyworte: das metaphysi-sche und physische, nicht oder doch viel weniger geltendgeworden; so kam dies eben daher, weil unter dem erste-ren der bekannte Intellektualismus noch so mächtig, so oftnachgeschlagen. Dies Spekulative unter dem Namen „Me-taphysisches" war, wie bekannt, nur ein gesteigertes Logi-sche; und nur weil man das wahrhafte Metaphysische vor-ausgesetzt hatte, ergab sich dann weiterhin ein besserer Sinn,«ine philosophische Erkenntniß und Darstellung, besondersunter dem Namen „praktische Philosophie". Zn der Leib-nitzisch-Wölfischen Schule, und zum Theil auch in derKantischen noch, war Solches der Gang deutscher Wissen-schaft.
Daß nun das Erkenntnißvermögen überhaupt mehrsey als das Denkvermögen, und daß gesagt werden könne:daS Erkenntnißvermögen ist jedesmal Denkvermögen, abernicht umgekehrt, — springt in die Augen. Auch ist klar,wie das höhere Erkenntnißvermögen auö Vernunft undVerstand, und das niedere auö Sinn und Verstandzusammengesetzt („konstruirt") werden müsse, und wie, demVorhergehenden zufolge, i. an die Stelle der Vernunft