Druckschrift 
Lehrbuch der höheren Seelenkunde; oder: psychische Anthropologie : eine Vorarbeit in Absicht auf die Hauptlehren vom Höchsten der Menschheit ; auch für Kirche und Staat
Entstehung
Seite
81
Einzelbild herunterladen
 

81

II.

Der Geist als Substanz; die Menschenseele;das Gemüth.

i.

D e r G e i st.

Indem nun der Geist dem Körper, wie die Psyche derPhysis, entgegensteht, und der Geist soweit mit der Sacheganz Eines ist, erscheint derselbe zuvörderst unter dem Ge-sichtspunkte des Uebersinnlichen (Ueberphysischen). Und aufdie Frage: was denn sonach eigentlich der menschliche Geistsey? — ergibt sich zuvörderst die Antwort: er ist Vernunft-wesen oder ein Uebersinnliches, in der realen Bedeutungdieses Wortes, welche zeither, selbst auf dem Wege unsererhöher» Bildung, so geltend ward, daß vorzügliche Schrift-steller das Logische oder Formale zwar für ein Unsinnlichesoder Nichtsinnliches, aber keineswegs für ein Uebersinnlicheserklärten, geschweige denn für das Uebersinnliche. Nein,dafür gilt nimmermehr, indem oder wo jene Bedeutungobsiegt, das Verständige als solches, heiße es dann Be-wußtseyn oder Denken. Denn es wird ja das bloße Be-wußtseyn geset, und folglich von der Sache, von jedemInhalte abgesehen: und was mag denn hicbey erscheinen,wenn nicht — das Selbst» oder Gottesbewußtseyn unter-geschoben wird! Was heißt aber das Selbst, wenn nurdem Menschen, nicht dem bloßen Naturwesen, ein solcheszukommt?

Also Vernunftwesen, ein Ding (sv) von über-sinnlicher Art, oder ein unbedingt (absolut)Reales ist der Menschengeist. Jenes Formale kann nur alshinzukommend, an seinem Orte, betrachtet werden. Undeine weitere Erklärung ist nur vermittelst der weiteren Dar-stellung der Philosophie möglich. Aber diese Antwort, diese

b