74
eine zarte, schonende Behandlung. Oder ist dasselbe ent-behrlich? Und wer gibt uns ein anderes? Wer vermag,nach dem Gange unserer höhern (der neu - europäischen)Bildung, ein anderes Wort aufzustellen und geltend zu ma-chen? So gilt wieder: erst die Sache, dann das Wort!
Also wie verhält sich zu jener Setzung — das Gött-liche und Menschliche — die andere, welche zeither inDeutschland, bey Jacob! u. A., so oft vorgekommen: dasGöttliche und Natürliche, so wie erstereS mit demUebersinnlichen, und letzteres mit dem Sinnlichen einerletzist, der Mensch aber nur von dem Naturalisten mit demNatürlichen — Sinnlichen in Eine Klaffe gesetzt (d. h. aufEine Linie, wenn auch auf den höchsten Punkt derselben,gestellt) wird?! Sehen wir vor Allem zurück auf daSvorhin Gesagte; so kommt das Reinmenschliche wieder. Da-mit verträgt sich offenbar nicht: das Göttliche und Mensch-liche. Und was jene Setzung: das Humane und Thieri-sche, betrifft; so ist, indem das erstere dem Göttlichen gleichgesetzt wird, dieselbe s) gültig auf dem idealischen Stand-punkte, b) ungültig aber auf jenem Standpunkte der Re-flexion, wo das Humane mit dem Menschlichen Eins ist,und dieses, wie gesagt, aus Göttlichem und Thierischem be-steht. Der wissenschaftliche Denker, wie er von diesemStandpunkte ausgeht, muß vielmehr jene Setzung als un-wissenschaftlich verwerfen. Und gesetzt auch, er sähe nichtein, wie daS Tiefere in dem Lebenskraft vorgreifen und,indem es praktisch wird, selbst die Gestalt oder den Scheindes Populären erhalten möge; so könnte er doch, an sei-nem Orte, mit sehr gutem Grund erinnern, das Humaneund Thierische, in Bezug auf den Menschen im Unterschiedevon dem bloßen Thier ausgesprochen, verstoße gegen einGrundgesetz der Wissenschaft. Denn es ist ja nicht erlaubt,etwas zwey Male zu setzen: einschließlich und ausdrücklich(implicils und explloits); wie dieses offenbar mit demThierischen geschieht, wenn das Menschliche oder Humaneals solches dasselbe schon in sich enthält. Aber selbst nach