so könnte wohl die Psychologie auch — Physiologie, unddie Physiologie — Psychologie heißen! Wie klänge wohl soEtwas, wenn es nicht bloß im Scherze oder als eine Artvon Metapher, sondern im vollen Ernste der Wissenschaftausgesprochen würde? Und wie könnte da, im Lande derWissenschaft, und wo eS zumal auf eine wissenschaftlicheGrundbestimmung ankommt, irgend eine Metapher mitGültigkeit eintreten?
Wollte man hingegen an die „Natur der Seele oderdes Geistes" erinnern, und davon die Seelenlehre — Na-turkunde oder Naturlehre (obwohl mit dem Zusätze: desGeistes re. ) wissenschaftlich ableiten; so möchte wohl dieLogik, dem Scheine nach mit der Grammatik im Bunde,für diese Ableitung sprechen, sogar bestrebt, dieselbe alseine acht-wissenschaftliche Bestimmung geltend zu machen.Nur steht diesem logischen Verfahren ein Grundgesetz derSprachwissenschaft selbst entgegen. Denn dieser zufolge isteine wissenschaftliche Benennung (Nomenklatur) als Ablei-tung und Zusammensetzung nur von und nach dem Haupt-worte gültig, welches in der eigentlichen Bedeutung auf-trat oder genommen ward. Nun ist aber das Wort Naturdort ohne Zweifel eine — wenn auch wegen deS häufigenGebrauchs desselben versteckte— Metapher, wofern an-ders jene Bedeutung, wo die Natur das Objekt der Physikist, die eigentliche heißen darf. Denn jegliches Wortkann, nach jenem Grundgesetze, nur Eine Bedeutung alsdie eigentliche haben. Die Naturlehre kann also nurPhysik seyn, so wie der Naturalismus bloß der Materia-lismus. Und wo nicht dieser, offen oder ingeheim, waltet:da ist die Naturlehre des Geistes (dieser Ausdruck) die Her-vorbringung jenes logisch-grammatikalischen Blendwerks,etwa in Verbindung mit dem bekannten Modespiel in Be-treff deS Wortes „Natur," und vielleicht selbst mit dem ge-heimen Zuge der berührten schriftstellerischen und akademi-schen Politik. Denn wie erklang, wie erglänzte neuerlichdie Natur in Schriften und auf unfern Hochschulen!!