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werden wir in den Stand gesetzt, das Geschehene als gegenwar.rig vor unsern Augen vorüber gehen zu sehen. Man hat demgehörigen Gebrauch von dergleichen Nebenumständen in der Er-zählung mit Recht den Namen der historischen Mahlerey ge-geben.
12. Die Charakter-Zeichnungen sind glänzende Zierden eineshistorischen Werkes, aber auch eine sehr schwierige Aufgabe;denn ein historischer Charakter darf nicht bloß oberflächlich undin allgemeinen Umriffen gezeichnet seyn : der Historiker muß ihnvielmehr mit seinen feinsten und schärfsten Zügen darstellen. Da-gegen aber darf sich der Geschichtschreiber auf der andern Seiteauch nicht verführen lassen, in solchen Schilderungen zu sehrglänzen zu wollen, und das Feld der Charakteristik für einenihm frey gegebenen Spielraum anzusehen, worauf er seinenScharfsinn und seinen feinen Beobachtungsgeist umher tummelnkann. Schriftsteller, die diesem Hange unterliegen, verfallenauch gern in den Fehler, sich bey ihren Gemählden in Zusam-menstellung; spitzfindiger Contraste zu erschöpfen.,
§- 39 -
Vom didaktischen Styl überhaupt.
Der didaktische oder Lehrstyl theilt sich in zwey Haupt-zweige, je nachdem er mehr auf den intellectuellen oder mehrauf den moralischen Menschen zu wirken strebt. Im erstemFalle handelt eS sich vorzüglich um Überzeugung des Verstan-des, im letzter» uni Aufregung des Willens zum Entschluß.Manchmahl werden zwar auch beyde Zwecke verbunden; einerderselben muß aber doch immer der vorherrschende seyn. Sobaldder belehrende Redner diese beyden Zwecke nicht genau voneinander unterscheidet, oder sie wohl gar aus Unkenntnis; miteinander verwechselt, entsteht Unsicherheit in der Darstellung,folglich Dunkelheit.
Bey dem didaktischen Styl sind zwar die grammatischenund logischen Forderungen allerdings die ersten und .vorzüglich-