Druckschrift 
1 (1825) Theorie der Beredsamkeit für alle Formen prosaischer Darstellung : nach den besten Quellen der Alten und der Neuern bearbeitet, und mit Mustern und Beyspielen belegt
Entstehung
Seite
327
Einzelbild herunterladen
 

Die Schilderung.

Die Schilderung ist eigentlich nur eine besondereArt der Beschreibung/ »ähmlich eine mahlerische Be-schreibung, die sinnliche Gegenstände durch die mög-lichst lebhafte Darstellung im höchsten Grade anschaulich zumachen sucht.

Da die Schilderung sich mehr oder weniger stets demPoetischen Gebierhe nähert, so ergibt sich von selbst, daß dabeyinsbesondere zwey Regeln zu beobachten sind:

1. Die Schilderung werde von dem Historiker sehr be-hutsam gebraucht, folglich nur da angewender, wo sie demGegenstände und dem Zusammenhänge wohl anpaßt.

2. Man hüte sich, Schilderungen anzuhäufen, oder zuschnell auf einander folgen zu lassen *).

§. 22.

Die Charakteristik.

Die Charakteristik ist eine der schwierigsten Darstel?lungsformen, besonders in der Prose, dahier das richtigsteund genaueste psychologische Verfahren gefordert wird.Aber auch nur den geistreichsten Dichtern sind vollkommeneCharakter-Zeichnungen gelungen.

Die Charakteristik, im engern Sinne, kann nurdie Eigenthümlichkeiten vernünftiger Wesen, nach ihrerphysischen, moralischen und intellectuellen Individualität, dar-stellen. Diese vernünftigen Wesen müssen aber auch zugleichausgezeichnet erscheinen, entweder durch ihr inneres, oderdurch ihr äußeres Leben.

*) Für die eigentliche Beschreibung ist die mittlereSchreibart die angemessenste; die sich höher aufschwingendeSchilderung wählt deßhalb auch gewöhnlich den höhecnStyl. '