Druckschrift 
1 (1825) Theorie der Beredsamkeit für alle Formen prosaischer Darstellung : nach den besten Quellen der Alten und der Neuern bearbeitet, und mit Mustern und Beyspielen belegt
Entstehung
Seite
277
Einzelbild herunterladen
 

277

2. Man bemerke sich dann, welche Erläuterungen und Be-weise zur Darstellung und zu der durch sie hervorzubringendenÜberzeugung nokhwendig seyen.

3. Man erwäge, welche Einwürfe sowohl gegen den Haupt-sab, als auch gegen die für denselben angeführten Gründe undBeweise vorgebracht werden konnte», und wie sie zu widerle-gen waren.

4- Man untersuche, welche Hülfsmittel der Stoff selbstuns an die Hand gebe, um den Hörer oder Leser dafür zu ge-winnen, seine Aufmerksamkeit zu spannen, ihn zum Entschlüssezu bewegen u. s. w.

5. Man suche dem Gegenstände alle mögliche Vielseitig-keit zu verschaffen, und bringe ihn daher auch mit dem Ver-wandten oder mit dem Contrastirenden in einige Berührung.

6. Man trage die gehörige Sorgfalt, das Thema durchdie zweckmäsiigsten Redefiguren, Beyspiele, Zeugnisse u. s. w.auszuschmücken, zu erweitern und zu stärken.

7. Sulzer räth dem Künstler, zum Behufe der Erfindungüberhaupt sich vor allem einen bestimmten und deutlichen Be-griff von dem Werke zu bilden, das er ausführen will, damiter von jeder Vorstellung, die sich ihm darbierhet, urtheilenkönne, ob sie etwas beytragen werde, das Werk zu dem zumachen, was es seyn soll.Har. er diesen Begriff gefaßt, sorichte er seine ganze Vorstellungskraft darauf allein; er macheihn zum herrschenden Begriff seines Verstandes, und gebe dannans alle Vorstellungen, die sich während der Zeit aufklaren.Acht, ob sie in irgend einer Verbindung mit diesem Hauptbe-griffe stehen. Dadurch wird er eine Menge Begriffe sammeln,die zu seiner Absicht dienen, und er wird nun bloß noch dafürzu sorgen haben, die besten daraus zu wählen."

Zur Erläuterung dieser sehr treffenden, auf vielfacher Er-fahrung ruhenden Maßregel ^ führt Sulzer das Beyspiel derLeidenschaften überhaupt an, und insbesondere den Geiz.Wirsehen überall," sagt er,daß diejenigen, Key denen irgend eineLeidenschaft herrschend geworden, sehr sinnreich sind, alle Mir-