Druckschrift 
1 (1825) Theorie der Beredsamkeit für alle Formen prosaischer Darstellung : nach den besten Quellen der Alten und der Neuern bearbeitet, und mit Mustern und Beyspielen belegt
Entstehung
Seite
269
Einzelbild herunterladen
 

s6g

4. Man bleibe sich selbst stets verständlich und sey bemüht,sich über die Richtigkeit jedes Wortes Rechenschaft geben zukönnen.

5 . Man habe stets Ziel und Absicht vor Augen, weßwe-gen man schreibt.

6. Man wähle sich einen würdigen und wichtigen Stoffzur Darstellung.

7. Man versuche sich in jeder Gattung des Styls, bisdiejenige gefunden ist, zu der man sich vorzüglich geeignet fi"*' .

8. Ununterbrochene Übung.

q. Man lasse sich durch die erste Schwierigkeit und Lang-samkeit nicht abschrecken; denn man erwirbt mit jedem Tagemehr Leichtigkeit.

10. Man übereile sich nicht bey den Ausarbeitungen.Be-ständigkeit und Sorgfalt," sagt Quintilian,ist bey den er-sten Versuchen im Schreiben nicht genug zu empfehlen; wirmüssen darnach streben, so gut zu schreiben, als wir nur im-mer können; die Geschwindigkeit wird sich bey anhaltenderÜbung schon einstellen. Nach und nach werden sich die Gedan-ken immer leichter darbiethen, die Ausdrücke uns von selbst ent-gegen kommen, und die ganze Arbeit wird leicht und frey vonStatten gehen; Alles wird sich, wie in einem wohleingerichte-ten Hauswesen, an seiner gehörigen Stelle zeigen. Mit einemWorte: durch geschwindes Schreiben erwirbt man sich nicht dieKunst gut zu schreiben, wohl aber durch Gurschreiben di« Kunstgeschwinde zu schreiben *)."

11. Beym ersten Dahinströmen seiner Gedanken und Em-pfindungen frommt dem Schriftsteller ein gewisser Grad vonWärme und Feuer der Begeisterung. Zu große Ängstlichkeit würdehier allerdings schaden. Sie darf erst in der Folge eintreten,wenn man nach einiger Zeit dem Geschriebenen die Feile anlegt,den Gang der Ideen sorgfältig prüft, Auswüchse beschneidet,jeden Ausdruck und jedes Mort streng berichtigt. Die Mühe

') l,. 10. c. Z.