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1 (1825) Theorie der Beredsamkeit für alle Formen prosaischer Darstellung : nach den besten Quellen der Alten und der Neuern bearbeitet, und mit Mustern und Beyspielen belegt
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L. Selbstkhätigkeit bey der Lectüre.

a) Analysis oder Commentirung und Inter-pretation einzelner Ausdrücke, Stellen und kleinerer Auf-sätze (denn bey größeren, ganzen Werken wäre diese Methodeals stylistische Übung zu weitläufig).

Augen haben, wenn sie vernünftig seyn soll: einmahl, dieSachen zu behalten, und sie mit seinem System zu vereinigen,und dann vornehmlich sich die Art eigen zu machen, wie jeneLeute die Sachen angesehen haben. Das ist die Ursache, war-um man jedermann warnen sollte, keine Bücher von Stüm-pern zu lesen, zumahl, wo sie ihr eigenes Räsonnement einge-mischt haben; man kann Sachen aus ihnen lernen, aber wasweit wichtiger ist, seiner Denkungsart eine gute Form zu ge-ben, lernt man nicht. Man kann nicht leicht über zu vielerleydenken, aber man kann über zu vielerley lesen. Über je mehrereGegenstände ich denke, das heißt, sie mit meinen Erfahrungenund meinem Gedanken-System in Verbindung zu bringen suche,desto mehr Kraft gewinne ich. Mit dem Lesen ist's umgekehrt;ich breite mich aus, ohne mich zu stärken. Laß dich deineLectüre nicht beherrschen, sondern herrsche du über sie!"Auch Seneca gibt seinem Freunde Lucil in einem Briefe (nachOlshausens neuester Übersetzung) folgende treffliche Vorschriften :

»Dahin sieh, daß du bey dem Lesen so vieler Schriftstellerund so verschiedenartiger Bücher nicht unstät umherschweifest.Bey gewissen vorzüglichen Köpfen mußt du verweilen und dichnähren, wenn du etwas in dich ziehen willst, was treu in dei-ner Seele hafte. Nirgends ist, wer überall ist! Leute, welche ihrLeben aufReisen zubringen, pflegen viele Gastfreundschaften aberkeine Freundschaften zu haben. Eben das muß denjenigen begeg-nen, welche sich keines Schriftstellers Geiste vertraulich anschmie-gen, sondern in schnellem Lauf an allem nur vorbeystreifen. KeineSpeise nützt und geht indenKörper über, welche, eben genossen,sogleich wieder ausgesührt wird. Nichts hindert so sehr die Ge-nesung , als der Arzneymittel häufige Änderung. Keine Wundevernarbt, woran viele Mittel versucht werden. Keine Pflanzeerstarkt, die oft versetzt wird; nichts ist so wirksam, daß eS imVorübergehen nützt! Der Bücher Menge zerstreut den Geist.