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Schläfe ziehen dürfen, der uns am Morgenthoredes künftigen Lebens dargereicht wird." —
§. 21 .
Gränzen der prosaischen und poetischenSchreibart.
Die höhere Schreibart granzt zunächst an die poetischePr osa. Eben diese nahe Verwandtschaft aber gebiethet demRedner die größte Behutsamkeit, um ja nicht die Gränzen zuüberschreiten und in das Gebieth der dichterischen Sprache zuverfallen; denn der Dichter will unmittelbar und einzig aufPhantasie und Gefühl wirken. Dem gemäß richtet er auch seineGesangsprache ein. Die poetische Prosa unterscheidet sich dahervon der hohern Schreibart durch die höchste Lebendigkeit der ge-wählten Ausdrücke, durch die schönste Versinnlichung alles Gei-stigen, durch Vergegenwärtigung alles Entfernten. Sie scheut'keine Menge, keine Kühnheit der Bilder. Die Verbindungder Sätze und jede Wendung geschieht in ihr mit viel mehrFreyheit. Ihr Wohlklang ist viel regelmäßiger, bestimmter undmusikalischer. Sie bedient sich viel häufiger der Figuren undBeywörter. Alles überhaupt, was in der höhern Schreibart nurWürze seyn darf, wird in ihr zum wesentlichen Bestandtheil;denn es darf ihr zur eigentlichen Form der Poesie nichts fehlen,als Metrum oder Reim. Es kann also nicht nur die höhereSchreibart sich in poetische Prosa »ersteigen, sondern auch dieseletztere kann zur höheren Schreibart herabsinken. Beydcs istgleich fehlerhaft. Der Stoff muß die eine oder die anderedieser zwey streng geschiedenen Formen jedes Mahl bestimmen.
Man würde aber sehr irren, wenn man glaubte, die poe-tische Prosa müsse stets den glänzendsten Vortrag haben. DieGrade ihres Schmuckes ergeben sich, je nachdem sie mehr aufdie Phantasie oder mehr auf das Gefühl wirken will. Im letz-ter» Falle sind die einfachsten Ausdrücke oft die rührendsten. Aberselbst diese müssen stets ihr unverkennbares poetisches Gepräge