sprunge aus etwas anderes/ als ein« Folge von Veränderungen,die mit jedem Arhemzuge ihrem Ende zueilt? sind die Ursachenund Zufälle, welche diese Folgen plötzlich unterbrechen und ab-brcchen können, nicht unzählbar? kann von Allen, die aufErde leben, auch nur Einer mit Gewißheit sagen, daß dernächste Augenblick noch in seiner Gewalt seyn wird? ist selbstdem, der die gewöhnliche Gränze des menschlichen Daseynsweit überschritten hat, das Leben, wenn er stirbt, etwas an-deres, als ein leichter Traum, der schnell vorübergeflogen ist?
So viele Wünsche, die nicht erfüllt, so viele Entwürfe,die nicht ausgeführt, so viele Werke, die nicht vollendet wer-den; überall Gestalten, die sichtbar altern, überall Kräfte, dieplötzlich verschwinden, überall Körper, die sich ihrem Untergangenähern; — und die Seufzer derer, die mit dem Tode ringen,die Thränen derer, die einander verlassen sollen, der große un-übersehliche Jammer, der durch das frühe Hinsterben unent-behrlicher Versorger, Geschäftsmänner und Regenten an ge-richtet*) wird; alle diese Erscheinungen, was sind sie an-ders, als traurige, unwidersprechliche Beweise, daß die Zeitweit kürzer ist, als unsere Wünsche, daß sie uns fortreißt,ohne auf unser Sträuben, ohne auf unser Flehen und Bittenzu achten, daß sie schnell dahin eilt, und vergeht.
Und Key aller dieser Geschwindigkeit doch unvermerkt.Nichts ist leiser, als der Fußtritt der Zeit; nichts ist stiller,als der Wechsel unserer Stunden; nichts ergießt sich so sanft,als der Strom der Augenblicke. Wir würden nichts in der Zeitunterscheiden ; wir würde» ihre Dauer und Größe nicht einmahlschätzen können, wenn uns die Natur nicht zu Hülfe käme,wenn sie das gleichförmige Ganze derselben, durch den Wechseldes Tages und der Nacht, durch das Merkmahl der Jahreszei-ten, durch die Folge der Jahre und Jahrhunderte, nicht in be-merkbare Abschnitre thcilte. Und was hat die Kunst erdacht,den stillen Gang der Zeit gleichsam hörbar zu machen; uns
*) Das Wort bewirkt wäre hier edler und zweckmäßiger.