176
ten, um bey jedem Aufrufe des Vergangenen würdig, undder Gegenwart gewachsen zu seyn. Das Leben eines Staa-tes ist wie ein Strom, nur in fortgehender Bewegungherrlich; wenn der Strom steht, so wird er Eis oderSumpf." _ Joh a n n v. M ü ll e r.
Da Seneca beweisen will, daß die Lectüre zu vielerBücher und Schriftsteller aller Art schädlich sey, bedient ersich folgender Vergleichungen:
„Nichts hindert die Genesung so sehr, als häufige Än-derung der Arzeneyen. Die Wunde kommt nicht zum Heilen,an der man stets neue Mittel versucht. Die Pflanze gedeihtnicht, die oft versetzt wird. — Viele Bücher zerstreuen denGeist." —
„In jedem edlen Herzen brennt ein ewiger Durst nacheinem edleren, im schonen nach einem schöneren; es will seinIdeal außer sich in körperlicher Gegenwart, mit verklärtemoder angenommenem Leibe erblicken, um es leichter zu erstre-ben, weil der hohe Mensch nur an einem hohen reift, wieman Diamanten nur an Diamanten glänzend macht."
Jean Paul Richter.
„Viele Sprachen sind wie Credit-Briefe. Zeige sie vor, dubist überall willkommen."
„Mit der Seltenheit ist's, wie mit dem Magnet; wasmit ihm bestrichen wird, zieht auch an. Ein Mensch, der vielSeltenheiten gesehen hat, wird auch für selten gehalten." —
Hippel.
» »
Die Vergleichung dient entweder zum Unterricht und zurErläuterung oder zur Zierde und Schönheit des Gegenstan-des. Die erstere nennt man die logische, letztere die ästhe-tische.
Die logische Vergleichung gehört unter die redneri-schen Beweisarten, indem sie den Endzweck hat, uns von derWahrheit eines Satzes anschaulich zu überzeugen. Die ästhe-tische kann verschiedene untergeordnete Zwecke haben. Es