Man könnte hier die Frage aufwersen, ob die Schwie-rigkeit einesGegenstandes etwa den Mangel an Deut-lichkeit entschuldigen kann? Keineswegs. Was man deutlichdenkt, sagt Hugo Blair in seinen rhetorischen Vorlesungen,kann man auch deutlich aus drücken; über einen Gegenstandaber, den man nicht deutlich erkennt, soll man auch nicht schrei-ben. Deutlichkeit des Ausdrucks ist eine nolhwendige Folge derKlarheit der Begriffe, so wie Dunkelheit des Ausdrucks auSVerworrenheit der Begriffe entsteht.
§. 3i.
P r ä e i s i o n.
Die lateinische Benennung des bey uns eingebürgertenWortes Präcision kommt von praLcickero, abschneiden.Präcision ist hiernach eigentlich nichts anderes, als die Be-schneidung alles Überflüssigen; der präcise Ausdruck aber der-jenige, welcher nicht mehr und nicht weniger gibt, als eine ge-naue Bezeichnung der Gedanken, welche dem Darstellendenvorschweben.
Die Präcision zerfällt daher in zwey Haupteigenschafren :Bestimmtheit und Kürze. Die Bestimmtheit be-steht in der richtigen Auswahl der passendsten Wörter und Aus»drücke zur Bezeichnung von Ideen, Empfindungen und Gegen-ständen. Die K ü rze aber liegt darin, daß man nur solcheAusdrücke wählt, welche zur Bezeichnung der darzustellendenBegriffe, Gefühle und Gegenstände wesentlich gehören, folg-lich nicht wegbleiben können ohne Dunkelheit zu verursachen.
§. 32 .
Arten der Präcision.
Die Präcision desAusdruckes ist unzertrennlich vonder Präcision der Gedanken; wer daher präcis schrei-ben will, muß zuerst präcis denken.
Man kann aber auf drcy Arten gegen die Präcision ver-stoßen :