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der Scharfsinn der Gründe, die lebhaften Schilderungen, diepathetischen Gemählde — sie erwärmen, erhitzen ihn allmählig;das Interesse des Sprechenden geht in den Hörenden über; dieaufgeregte Leidenschaft erhebt sich; und er wird, sich selbst un-bewußt, hingerissen. Allein kaum erwachter aus dem Zustandeder Entzückung über die Kunst des Redners zu dem Gedankenan den vorgetragenen Gegenstand: und Mißtrauen gegen dieTreue des Redners, Zweifel an seiner Wahrheitsliebe, gehei-mer Unwille über den zweckwidrigen Gebrauch seiner Talente —sind die Empfindungen, die sich seiner Seele bemächtigen. Erfühlt sich gerührt; und er wollte überzeugt seyn: er wollte denvorgetragenen Gegenstand klar einsehen; und die Blumen desRedners haben ihm denselben fast verdeckt: er wollte derSa cheBeyfall geben oder versagen; und er ist von Bewunderung fürdie Kunst des Redners durchdrungen. „Es kann so seyn; kannaber auch anders seyn." Dieses Gefühl ist das einzige und höch-ste, was der Redner, mit allen seinen Kunstgriffen, dem ern-sten Denker abgewinnen kann: wie weit aber eine solche schwan-kende Überredung von einer festen Überzeugung absteht, zeigtsich von selbst.
Das für die Redekunst höchst traurige Resultat dieser Dia»tribe wäre denn: die Reize der (verführerischen) Beredsamkeitverwandeln das Heiligthum der Gesetze und der Gerechtigkeit inein Schauspielhaus: die Vertheitiger der Unschuld, die Anklä-ger der Bosheit, die Berather des öffentlichen Wohls — wer-den Schauspieler; die Richter werden bloße Bewunderer derredenden Darstellungskunst, die zuhörende Versammlung ge-wöhnt sich an den gefährlichen Leichtsinn, die öffentlichen Ver-handlungen als ein leeres Schauspielgepränge anzusehen, wiees bey Griechen und Römern der Fall war.
§. 16.
Gründe für die Beredsamkeit.
Und so wären denn Redekunst und Beredsamkeit überflüs-sig oder schädlich, und i„ beyden Fällen verwerflich. Die Dar-