Druckschrift 
2 (1824) Bibliothek der Humanitäts-Wissenschaften zur Selbstbildung für Jünglinge von reiferem Alter : philosophische Wissenschaften
Entstehung
Seite
304
Einzelbild herunterladen
 

3»4

Hörst du mich, getreuer Knappe?

Wann dieß Herz nun ausgeschlagen.Zu der Dame von FayelSollt du es hinübertragen!"

In geweihter, kühler Erde

Wird der edle Leib begraben;

Nur das Herz, das müde Herz,

Soll noch keine Ruhe haben.

Schon in einer goldnen Urne

Liegt es, wohl einbalsamiret,

Und zu Schiffe steigt der Diener,Der es sorgsam mit sich führet.

Stürme brausen, Wogen schlagen,

Blitze zucken. Maste splittern.Ängstlich klopfen alle Herzen,

Eines nur ist ohne Zittern.

Golden strahlt die Sonne wieder,Frankreichs Küste glänzet drüben;Freudig schlagen alle Herzen,

Eines nur ist still geblieben.

Schon im Walde von Fayel

Schreitet rasch der Urne Träger,Plötzlich schallt ein lustig HornSammt dem Rufe wilder Jäger;

Aus den Büschen rauscht ein Hirsch,

Dem ein Pfeil im Herzen stecket,Bäumt sich auf und stürzt und liegtVor dem Knappen hingestrecket.

Sieh! der Ritter von Fayel,

Der das Wild ins Herz geschossen,Sprengt heran mit JagdgefolgUnd der Knapp' ist rings umschlossen.