Elegie bey einer Wiege.
>Vchlaf immerhin die erste Zeit des Lebens!
Dir gab die gütige Natur
Den süßen Hang zur Ruhe nicht vergebens;
Drum schsase, Knabe, schlafe nur!
Noch athmest du, frey von der Erde Sorgen,
Und fühllos gegen ihre Pracht;
Willkommen, gleich dem frischbekränzteu Morgen,
Ist dir die stcrnenlose Nacht.
Auf deinen Lippen schwebt der Unschuld Lächeln,Sie wachet über deiner Ruh,
Und ihre Genien, dir ähnlich, fächelnMit Rosen dir Erfrischung zu.
Ach, allzubald entreißt sich, pflichtvergessen.
Der Jüngling ihrer frommen Hut,
Und wählt, der Leidenschaften Bahn zu messen.
Zu seinem Führer — Übermuch.
Schon schmücket sie die Lieb', ihn zu empfangen,Reicht ihm den Taumelkelch der Lust;
Er leeret ihn mit glühendem Verlangen,
Und trinkt den Tod, sich unbewußt.
Nun foltern ihn Verzweiflung, Reue, Sorgen,Todt ist er für der Schöpfung Pracht;
Nun trauert ihm der srischbekränzte Morgen,
Schreckt ihn die sternenlose Nacht.
Schlaf immerhin, weil mit geheimen BissenKein Gram den stillen Busen nagt.
Weil noch das unversöhnliche GewissenVor keinem Richter dich verklagt!