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2 (1824) Bibliothek der Humanitäts-Wissenschaften zur Selbstbildung für Jünglinge von reiferem Alter : philosophische Wissenschaften
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N alur da, wo er sie zum begeisternden Gegenstände wählt,nicht nach bilden oder abmahlen, sondern ihre grofieHarmonie wird in ihm wiedertonen und sein Inneres wirddas Echo des großen Naturhymnus seyn.

Die lyrische Dichtkunst hat es mit dem Gefühl zuthun. Aber nicht jedes Gefühl, selbst nicht jedes lebhafte undschone Gefühl, in wohlklingenden Versen ausgedrückt, ist schonein lyrisches Gedicht. Um dieß werden zu können, mußdas Gefühl schon an und für sich ein poetisches seyn, dasheißt: es muß Gefühl einer veredelten Individualität, einerhoher» Natur, und zugleich würdig seyn des bedeutenden Ge-genstandes, welcher das Gemürh durchdringt und aufregt, diePhantasie entzündet und den lyrischen Erguß bewirkt.

Dadurch wird die Gemürhsstimmung des begeisterten Dich-ters so dargestellt, daß sowohl der aufregende Gegenstand,als auch der Moment der Auffassung, und der bewirkte Affectselbst, nicht mehr als Object und Product des Einzelnenerscheinen, sondern zur Idealität erhoben das Gefühlund die Anschauung der ganzen harmonisch vollendeten Mensch-heit in einem lyrisch vollendeten Ganzen rein aussprechen.

Der lyrische Dichter, dessen Begeisterung demnach vonder jedes andern Dichters verschieden ist, gestaltet, durchinnige Vereinigung von Gemüthstiefe und Phantasieglucheine Reihe von Empfindungen und Anschauungen, Ideen undBildern. Seine Production, die zugleich Geisterklang derGe-müthswelt und Phantasiegemählde ist, geschmückt mit allemReichrhum, mit aller Schönheit der Sprache, der rhythmi-schen Bewegung und des Wohllauts, erhebt die Seele desHörers und Lesers zu derselben Begeisterung des erhöhteninnern Lebens, welche ihn selbst ergriffen hat.

Der Geist der lyrischen Dichtung bewährt allerdingsseine Einheit, doch zeigt sich die Darstellungsweise in wech-selnden Gestalten, wie der weiße Lichtstrahl sich in seine Far-ben bricht. Diese Verschiedenheit der lyrischen Formenentstand theils durch die Verschiedenheit des dichterischen Na-