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2 (1824) Bibliothek der Humanitäts-Wissenschaften zur Selbstbildung für Jünglinge von reiferem Alter : philosophische Wissenschaften
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wäre die Gottheit, der vollkommenste Charakter. Doch dieGottheit ist über alle bildliche Vorstellung erhaben; das Un-endliche in seiner unergründlichen Tiefe und Fülle vermag dieMahlerkunst nie zu personificiren. Die griechischen Götter, alsbegränzte Charaktere, waren der Kunst ausführbar. Ein höheresFeld ward der Mahlerkunst durch die christliche Religion;Christus, die Madonna, die Apostel und die Heiligen derKirche sind die erhabenste» Gegenstände; in der heiligen Jung-frau gewann die Mahlerey ein neues Ideal, von welchem dieAlten durchgehends noch keinen Begriff hatten.

109.

Die Historien-Mahlerey stellt eine Handlung oder Bege-benheit als vor unseren Augen sich ereignend dar. Der Scheinder Bewegung vertritt die Stelle der wirklichen Bewegungbey ihren Darstellungen. Da die Mahlerey keine Geschichte,sondern nur eine Scene der Geschichte zu geben vermag, soist für sie eine glückliche Wahl des darzustcllenden Momentsvon der größten Wichtigkeit; die Wahl muß nothwendig aufjenen Moment gerichtet seyn, worin der Geist der Geschichteam meisten sich ausspricht. Die dargestellte Geschichte oderHandlung muß erkennbar und verständlich seyn. Hierzu dientdie Beobachtung des Costüms, nähmlich der einer bestimmtenZeit und Nation eigenen Kleider, Geräthe, Waffen u. dgl.,und die Sorgfalt, daß alle Nebendinge, Architektur, undBeywerk, sowohl der Zeit und dem Orte, als auch dem In-halte der Geschichte selbst angemessen seyen.

HO.

Auf der höchsten Stufe zeigt sich die Mahlerey in derDarstellung des Allgemeinen. Das Allgemeine kann aber vonder Mahlerey nicht unmittelbar dargestelll werden, sondern nurmittelst des Besonderen, wodurch jenes bezeichnet wird. ZurDarstellung des Allgemeinen dienen die Allegorie und dasSymbol.