Erklärung von Nietzsches Bruch mit Wagner (er wird aufgewöhnliche Eifersucht, und sogar einfach gesellschaft-liche, zurückgeführt) ich recht unzufrieden war. Dabeispricht Newman von Wagner als Denker oft nicht re-spektvoller als von Nietzsche, verzeiht aber jenem allesum der Werke willen — als ob die nichts mit dem Den-ken zu tun hätten. Übrigens nennt er seinen Helden ein-mal «a born amateur» — und versteht nicht, daß geradediese Natur, das damit verbundene autoritäre Mitredenüber alles und jedes, die namenlose Unbescheidenheit,die diejenige Hitlers vorwegnimmt, Nietzschen auf dieNerven ging. Die Kennzeichnung, nebenbei, konnte mirrecht sein. Welches Ärgernis hatte ich aufgeregt, als ichin Leiden und Größe Richard Wagners den Mann des «Ge-samtkunstwerks» einen genialen Dilettanten genannt hat-te ! Nun bestätigte das der Vier-Bände-Biograph mit sei-nem unerschrockenen Wort vom geborenen Amateur. —Genug davon. Wir gingen zu der Kantate über, für dieder «Wirkliche Geheime Rat», wie ich ihn in der Zueig-nung des ausgedruckten Buches nannte, sich mancherleiZuträgliches ausgedacht hatte. Und doch bin ich ver-sucht, zu sagen, daß sein Hauptverdienst um das Kapitelnicht im Musikalischen, sondern auf dem Gebiet derSprache und ihrer Nuancen liegt, wie sie, ganz zuletzt,ein Moralisches, Religiöses, Theologisches umwerben.Als ich nämlich, nach vierzehntägiger Arbeit daran, mitdem Abschnitt fertig war, oder damit fertig zu sein glaubte,gab ich ihn Adorno eines Abends bei mir im Zimmer zuhören. Er fand im Musikalischen nichts zu erinnern, zeigtesich aber grämlich des Schlusses wegen, der letzten vierzigZeilen, in denen es nach all der Finsternis um die Hoff-
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