von Leinsamen und wandte sie in meiner Wut auf dieNeuralgie so rücksichtslos an, daß ich mir arge Verbren-nungen der Mund-Schleimhaut zuzog.
Bei alldem schien eine Arbeitsumstellung geboten, dieHerstellung eines Reise-Vortrags an der Zeit, und die ver-suchende Umschau nach einem den Zeitumständen ange-messenen und mir selbst gelegenen Gegenstände begann.Er sollte sich möglichst wenig von der Hauptsache, demLaufenden entfernen, sich tunlichst daran lehnen und da-von abgezogen sein. Etwas über Deutschland, über Cha-rakter und Schicksal dieses Volkes also; und unter aller-lei Lektüre über deutsche Geschichte, Reformation undDreißigjährigen Krieg, auch von Croces Geschichte Euro-pas, begann ich mit Notizen und Vormerkungen zu die-sem Thema, ohne rechten Willen und Entschluß übri-gens, damit fortzufahren. Ist immer ein solcher Wechselder Gedankenrichtung, der Zwang, mich in etwas Neueshineinzufinden, eine irritierende, halb krank machendenervöse Belastung, so war es das dreifach unter den Um-ständen von damals; aber die innere Widerspenstigkeitkonnte sich auf das Verlangen, zur Hauptaufgabe zurück-zukehren, kaum berufen. (Andauerndes Stimmungstief,verstärkt durch das Grauen vor der Verfehltheit des Ro-mans, den ich mit so erregenden Neuigkeitsgefühlen be-gann. Schwere, tatenlose Tage.» Dann: (Abendessen beiWerfels mit Franks, die eben von ihremNewYorker Aus-flug zurück. Frank eher geschädigt als erholt. Ich las dasXXIII. (Münchener Kapitel) mit großer Anstrengung.Die Teilnahme war überraschend. Kluge, bewegende Äu-ßerungen Werfels über die Thematik und neuartige Kom-position des mir so gefährdet scheinendenBuches.»— Dies
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