des Geschmacks und der Diskretion wies er ab, wie gerner sich sonst auch in Einzelheiten beraten und korrigie-ren ließ. Seinem leisen, ein wenig stockenden Vorlesenhörte ich mit wahrer Hochachtung zu. Das dichterischüberaus getroffene Milieu der altdeutschen Kleinstadt(Rothenburg ob der Tauber); alles Handwerkliche, wor-in der ehemalige Mechaniker und Schlosser-Geselle soexakt Bescheid wußte, und dem er wiederum einen spezi-fisch «deutschen» Nimbus zu geben verstand; das leidendPsychologische auf dem Grund der Geschichte, nämlichdas Auseinanderfallen von Sexus und Eros, und die ge-heime Dämonie des Ganzen, — dies alles zog mich außer-ordentlich an, und ich bin ein Bewunderer der viel zuwenig beachteten Geschichte geblieben, die ein kleinesMeisterwerk ist.
Musik immer wieder—Leben und Gesellschaft brachtensie mir mit einer Art von mysteriöser Dienstfertigkeitimmerfort entgegen, weit häufiger als heute, wo, nach ge-tanem Werk, das Musikalische wieder mehr an die Peri-pherie meines Interesses gerückt ist. Bei Dr. Albersheim,den wir durch Neumanns kennengelernt, einem konser-vativ gestimmten Musiker und Musik-Gelehrten übri-gens, weit entfernt von den meiner Aufgabe gelegenerenGesinnungen Adornos, gab es genußreiche Abende, beidenen aufstrebende Instrumentalisten und Sänger, «starsin the making», sich verschiedentlich hören ließen.Temianka wohnte weit weg, noch hinter der «Bowl» gegenDown-town; mich schreckte kein Weg, und mochte dieJahreszeit schon Nebel-Gefahr für die Rückfahrt mit sichbringen. Es gab die Violin-Sonate von Händel mit demallerschönsten Larghetto zu hören; die Partita in acht
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