frei zu erfinden, die ihren glaubhaften Platz zwischen denrealen Besetzungen des modernen Musiklebens habe. Le-verkühn sei sozusagen eine Idealgestalt, ein «Held unsererZeit», ein Mensch, der das Leid der Epoche trägt. Ich gingaber weiter und gestand ihm, daß ich nie eine Imagina-tion, weder Thomas Buddenbrook, noch Hans Castorp,noch Aschenbach, noch Joseph, noch den Goethe vonhotte in Weimar — ausgenommen vielleicht Hanno Bud-denbrook — geliebt hätte wie ihn. Ich sprach die Wahr-heit. Buchstäblich teilte ich die Empfindungen des gutenSerenus für ihn, war sorgenvoll in ihn verliebt von seinenhochmütigen Schülertagen an, vernarrt in seine «Kälte»,seine Lebensferne, seinen Mangel an «Seele», dieser Ver-mittlungs- und Versöhnungsinstanz zwischen Geist undTrieb, in sein «Unmenschentum» und «verzweifelt Herz»,seine Überzeugung, verdammt zu sein. Dabei, merkwür-digerweise, gab ich ihm kaum ein Aussehen, eine Er-scheinung, einen Körper. Die Meinen wollten immer, daßich ihn beschriebe, daß ich, wenn schon der Narrator nurein gutes Herz und eine zitternd aufzeichnende Hand blei-ben müsse, doch wenigstens seinen und meinen Heldensichtbar machen, physisch individualisieren, anschaulichwandeln lassen sollte. Wie leicht wäre das gewesen I Undwie geheimnisvoll unzulässig, in einem noch nie erfahre-nen Sinn unmöglich war es doch wieder 1 Unmöglich aufandere Art, als es die Selbstbeschreibung Zeitbloms ge-wesen wäre. Ein Verbot war hier einzuhalten— oder dochdem Gebot größter Zurückhaltung zu gehorchen bei eineräußeren Verlebendigung, die sofort den seelischen Fallund seine Symbolwürde, seine Repräsentanz mit Herab-setzung, Banalisierung bedrohte. Es war nicht anders:
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