Druckschrift 
Die Entstehung des Doktor Faustus : Roman eines Romans
Entstehung
Seite
57
Einzelbild herunterladen
 

Mann as the president of the second German Republica post which he himself would probably most decidedlyrefuse.» Er hatte recht. Der Gedanke, eines Tages in dasverfremdete Deutschland, von dessen Zustand nach die-sem Kriege ich mir ein ungefähres Bild machte, zurück-zukehren und dort womöglich, gegen Natur und Beruf,eine politische Rolle zu spielen, war mir in der Seelefremd. Einig aber war ich mit den Planenden in der Über-zeugung, daß ein solches zum Mitreden über Deutsch-lands Zukunft gewilltes Gremium der Anerkennungdurch die amerikanische Regierung bedürfe, so gut wiedie Paulus-Gruppe in Rußland oder die tschechische Exil-regierung in England sich solcher Deckung erfreuten,und von vornherein sprach ich starke Zweifel aus, ob dasState Department irgendeiner Einrichtung geneigt seinwerde, die auch nur entfernt einem deutschen Govern-ment im Exile ähnlich sähe. Trotzdem erklärte ich michspontan bereit, nach Washington zu fahren, um ebendiese entscheidende Frage zu klären. Das tat ich und fandin einem Gespräch mit dem Unterstaatssekretär Berlemeine negativen Erwartungen bestätigt. Mit gemischtenGefühlen denn bei allem Respekt vor den Bestrebungenmeiner Landsleute war dies Ergebnis mir eine persön-liche Erleichterung berichtete ich bei erneuter Zusam-menkunft den Herren von dem Mißerfolg meiner Reise.

Im Theater sahen wir Paul Robeson als Othello, gutund überzeugend zu Anfang, in der Senatserzählung,nicht zulänglich später, wenn «das Chaos wiederkehrt».Seine Desdemona war unvorhanden, der Jago jung, in-telligent, doch nicht geschaffen zur fast schon allegorischlachhaften Inkarnation des absolut Bösen. Wir sahen auch

57