schmeicheln. Dem Lob des Kollegen entnahm ich dieMahnung zu geistiger Vorsicht und dazu, die allerdingssehr deutsch gefärbte Thematik des Buchs, eine Krisen-Thematik, so vollkommen wie möglich ins allgemeinEpochale und Europäische aufzulösen. Und doch habeich mich nicht enthalten können, das Wort «deutsch» inden Untertitel aufzunehmen! Dieser lautete zu derZeit, von der ich berichte, noch unvollständig undwenig angemessen: «Das seltsame Leben Adrian Lever-kühns, erzählt von einem Fremde >>. Ein Jahr später waran die Stelle des matten seltsam der deutsche Tonset^ergetreten.
An Unterbrechungen in der Förderung der Hauptob-liegenheit durch Forderungen des Tages fehlte es nie,mochte nun eine neue Radio-Sendung nach Deutschlandzu schreiben, ein Vortrag für die jüdische Frauen-Orga-nisation «Hadassah» oder eine Rede für die Veranstal-tung der «Writers in Exile» vorzubereiten sein, die An-fang Oktober im Education Building des Campus vonWestwood vor einem zahlreichen Publikum stattfand.Eine Engländerin führte den Vorsitz. Es sprachen Feucht-wanger, ein Franzose namens Perigord, ein Grieche Mi-notis, Professor Arlt und ich. Wieder einmal fand ich,daß das öffentliche, der Besuch in der Menschenwelt fürmeinesgleichen leicht den Charakter des Phantastischen,Traumhaften und Skurrilen annimmt, so daß dieses Ele-ment bei späterer dichterischer Schilderung durchaus kei-ne Zutat ist, sondern im Erlebnis selber liegt. Die Gattindes Griechen Minotis lag zu Hause mit Bauchfellentzün-dung. Der Mann war sehr bleich und trug Trauer, als obseine Frau schon tot sei. (Ich weiß gar nicht, ob sie über-
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