Lotte in Weimar allenfalls als ein kleiner,— so steht es nochauf der Titelseite der Handschrift: Ein kleinerKoman. Dies-mal zuerst, bei dem Werk meines Alters, war es anders.Dies eine Mal wußte ich, was ich wollte und was ich miraufgab: nichts Geringeres als den Roman meiner Epoche,verkleidet in die Geschichte eines hoch-prekären und sün-digen Künstlerlebens. Mir war, in aller Neubegier, nichtwohl bei der Sache. Ein Werk groß zu wollen, es gleichals groß zu planen, war wahrscheinlich nicht das Rich-tige, — für das Werk weder noch für das Gemüt dessen,der seiner sich unterwand. Möglichst viel Scherz, Biogra-phen-Mimik, das Pathos herabsetzende Selbstverspottungalso— so viel wie irgend möglich davon! Und des erzählen-den Humanisten Eheweib sollte Helene Ölhafen heißen.
Schon am nächsten Tag, nachdem ich begonnen, hatteich wieder anderes, vom Tag Gefordertes zu verrichten:eine deutsche Monatssendung, zum Gedächtnis der Bü-cherverbrennungen, war in Fasson zu bringen. Ende Maigab es nichts als ein Manuskript von zwei Seiten. Aberobgleich der Juni, in seiner Mitte, eine Vortragsreise nachSan Francisco brachte, die nebst ihrer literarischen Vor-bereitung mehr Tage, als mir lieb war, kostete, stelltenwährend dieses Monats, in dem ich mein 68. Jahr voll-endete, vier Kapitel des Faustus sich her, und am 28., demTagebuch zufolge, gab es die erste mündliche Mitteilungaus dem Roman: «Franks zum Abendessen. Später imArbeitszimmer Vorlesung aus Doktor Faust, die erstendrei Kapitel. War tiefbewegt, und die Hörer zeigten sichzugänglich dem Aufregenden, das von allem ausgeht.»
Straußens Hutten -Biographie beschäftigt mich. DieAntwort Professor Tillichs mit Informationen über das
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