stehenden Nerven zu bringen, und in irgendeiner schrägangepaßten Sitzmanier an meinem Schreibtisch voll-zog ich danach die Unio mystica mit Ihm, dem «Stern derschönsten Höhe». Immerhin ist die Ischias keine sehrtief ins Leben reichende und bei aller Tortur nicht rechternst zu nehmende Krankheit. Die Zeit dagegen, von derich spreche, und für die ich meinen Tod prophezeit hatte,war eine Periode wirklichen, langsam fortschreitendenNiederganges meiner Lebenskräfte, einer unverkennba-ren biologischen «Abnahme». Gerade mit ihr aber ist dieEntstehung eines Werkes verbunden, das vom Augen-blick seines Erscheinens an eine eigentümliche Ausstrah-lungskraft bewährt hat.
Es wäre doktrinär, in der vitalen Minderung Ursacheund Bedingung einer Hervorbringung sehen zu wollen,die den Stoff eines ganzen Lebens in sich aufnahm, einganzes Leben, halb ungewollt, halb in bewußter Anstren-gung, synthetisiert und zur Einheit zusammenrafft unddarum kaum umhinkann, eine gewisse Lebensgeladen-heit zu bewähren. Leicht ist die Kausalität umzukehrenund meine Erkrankung dem Werk zur Last zu legen, daswie kein anderes an mir gezehrt und meine innersten Kräf-te in Anspruch genommen hat. Wohlwollende Beobach-ter meines Lebens haben das Verhältnis so gesehen undbei meinem bedenklichen Anblick nicht mit der Erklä-rung gezögert: «Es ist das Buch.» Und gab ich ihnen nichtrecht? Es ist ein großes Wort, daß, wer sein Leben hin-gibt, es gewinnen wird, — ein Wort, das in der Sphäre derKunst und Dichtung nicht weniger Heimatrecht besitztals in der religiösen. Nie ist das Opfer des Lebens ausmangelnder Lebenskraft gebracht worden, und nicht eben
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