319
Frau Permaneder hatte ihrem Bruder Thomasgegenüber wiederholt eidlich beteuert, daß fortankeine Macht der Erde sie werde bewegen können,ihr Elternhaus auch nur mit einem Blicke wieder zusehen. Allein, es war unmöglich, dies innezuhalten,und hie und da führte ihr Weg sie notwendig anden rasch aufs Vorteilhafteste vermieteten Läden undSchaufenstern des Rückgebäudes oder der ehrwür-digen Giebelfa?ade andererseits vorüber, wo nununter dem „Oomimm xroviäodit" der Name KonsulHermann Hagenströms zu lesen war. Dann aberbegann Frau Permaneder-Buddenbrook auf offenerStraße und angesichts noch so vieler Menschen ein-fach laut zu weinen. Sie legte den Kopf zurück,ähnlich einem Vogel, der zu singen anhebt, drücktedas Schnupftuch gegen die Augen und stieß wie-derholt einen Wehelaut hervor, dessen Ausdruck ausProtest und Klage gemischt war, worauf sie, ohne sichum irgend einen Vorübergehenden noch um die Mah-nungen ihrer Tochter zu bekümmern, sich ihrenThränen überließ.
Es war noch ganz ihr unbedenkliches, erquicken-des Kinderweinen, das ihr in allen Stürmen undSchiffbrüchen des Lebens treu geblieben war.