386
Überhaupt fühlen wir uns hier auf demältesten Schlosse der Tourraine, dem Gar-ten Frankreichs, sehr wohl, viel wohler,als wenn der Besitzer anwesend wäre;denn wir sind jetzt Herren, immer aufeigenem Grund und Boden und „Allesist uns untertan“. Das Wetter ist hierjetzt prachtvoll, ungefähr wie bei uns EndeMai, die Gegend nicht minder schön undmöchte ich gerne noch einige Wochen hierverweilen. Vom Balkon meines Fenstersaus ist die Aussicht wundervoll, das ganzeIndrethal bis Commercy kann man über-sehen; unten grüne Wiesen vom Indre,wie einem Silberstrahl durchzogen mitzahlreichen Wasserfällen, deren Rauschenman weithin hört, rechts und links dieprächtigen Wälder an den Abhängen derBerge, unmittelbar vor meinem Fensterder Park mit seinen Quellen, Springbrun-nen, natürlichen Wasserfällen, Grottenund alten Bäumen, in denen die Singvögelbereits ihre Nester bauen und ihre Lied-chen erschallen lassen, kurz, es ist allesderartig, daß man es kaum beschreibenkann. Es ist jetzt Uhr und ich sitzeam offenen Fenster und schreibe. Vonunserem Bat., dessen Commandeur Dichgrüßen läßt, liegen nur die 5. und 8. Comp,hier, die beiden anderen Comp, liegen inAzly le Rideau; der Rest des Regts. inTours. Von meiner Herreise schreibe ichnächstens usw.
S’Isle Bouchard, 1. III. 71.
Lieber Matthias! Deine beiden Sen-dungen mit Rauchstoff habe ich richtigerhalten und sage ich Dir meinen bestenDank hierfür. Von meinem Chateau kamich am 24. nach Montbazon und warenwir am 27. Morg. 2 Uhr bereits ange-treten um nach St. Marc zur Besetzungdes Bahnhofs zu marschieren. Allein eskam Contreordre und wir blieben. Jetztliegen wir seit gestern Abend in S’IsleBouchard, verhältnismäßig gut und wohl
am weitesten südlich von allen deutschenTruppen, 2 Kilom. von der neutralen Zoneentfernt. Ich höre, daß wir für den Rück-marsch 31 Tage und 7 Ruhetage habenw erden. Wenn wir noch lange liegen blei-ben, so wird die Gegend hier total aus-gefressen usw.
Chatilion s/S, 31. III. 71.
Lieber Matthias! Nochmals meinenbesten Dank für die übersandten Rauch-materialien. Dieselben sind alle gut undverhältnismäßig schnell angekommen undthuen mir momentan die besten Dienste.Aus einem Brief von Papa schließe ich,daß ein oder zwei Briefe nicht angekom-men sind. Unter den damals und heuteobwaltenden Verhältnissen wäre diesdurchaus nicht unmöglich. Jetzt, wo vonmorgen an sämtliche Truppen in ihreStandquartiere eingerückt sind, tritt wie-der ein regelmäßiger Postdienst ein. Ichbin seit dem 27. d. M. zum Generalstabdes X. Corps abkommandiert, um unterLeitung des Major Seebeck vom General-stab Recognoszierungen französischer Ge-bietsteile vorzunehmen. Es sind außer mirnoch 11 Offiziere hierzu commandiert. DieArbeit ist sehr interessant und wird wäh-rend 14 Tagen die volle Thätigkeit einesjeden von uns in Anspruch nehmen. DerGeneralstab gewinnt hierdurch wieder einungeheures Material. Ich bitte aber nichtüber diese Sache zu sprechen, da ich nichtweiß, in wie weit dies genehm sein könnte.Von Louis erhielt ich gestern einen Briefmit der erfreulichen Nachricht, daß Wil-helm das Eiserne Kreuz II. CI. erhaltenhat. Ich kann mir lebhaft denken, wiePapa und Mutter hierdurch überraschtworden sind. Papa erfreut sich gottlobeiner eisernen Gesundheit in seinemhohen Alter. Er ist in den letzten Wo-chen mehrmals zu Fuß hin und zurück zumAberg gegangen. Möglicherweise bleibenwir noch recht lange hier. Mein Regi-