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tigst geschickten Unterjacken habe icheinem Kameraden geschenkt, der keinehatte, Mutter hatte mir außerdem nocheine geschickt. In diesem Augenblick capi-tuliert vielleicht Metz und wir werden als-dann hoffentlich nach dem Süden abmar-schieren. Unser Gefecht vom 7ten ist sehrschön und wahrheitsgetreu erzählt in derElberfelder Zeitung vom 14ten. usw.
Nancy, d. 21. I. 71.
Lieber Matthias! Seit gestern bin ichwohl und munter hier in Nancy und kanneinstweilen auf der Strecke Nancy-Lagnynicht weiter, da von Franktireurbandeneinige Stunden von hier ein Detachement(Ldw. Nr. 57 Comp. Cramer Düsseldorf)überfallen und die Eisenbahnbrücke ge-sprengt worden ist. Der heute Morgenvon hier um 5 V 2 Uhr abfahrende Zug istglücklicher Weise gerettet worden. Ichwollte zuerst mit dem Zuge fahren, ent-schloß mich aber später den um 12 Uhrnach Epernay fahrenden Zug zu benutzen.Augenblicklich fährt natürlich gar keinZug. Soeben 1Y 2 Uhr kam der Postzugwieder zurück und mit ihm die Verwun-deten, die zum theil auf das Grausamstemißhandelt worden waren. Ein Todterwar mit abgeschnittenen Ohren und Halsgefunden worden. Man hatte jedenfallsdie Absicht einen von Paris kommendenGefangenenzug 177 Offz. 1300 Mann zubefreien, ob solches gelungen ist, weißich nicht. Heute Morgen sind von hierund Toul Detachements mit gemischtenWaffen abgegangen, um die Übeltäter ein-zufangen und die Dörfer zu züchtigen.Man ist offenbar gegen solche Banden inLothringen zu milde gewesen und wirdsich nun wohl genötigt sehen andere Maß-regeln zu ergreifen. Ich bin hier sehr gutim Hotel de France aufgehoben und fahrevielleicht morgen über Metz-MezieresReims nach Epernay und von dort nachLagny. Einen Brief an mich kannst Du
einstweilen wegen unsicheren Aufenthal-tes nicht aufgeben, usw.
Chateau de Consieres, 21. II. 71.
Lieber Mathias! Lange schon habeich vorgehabt, Dir einen längeren Briefzu schreiben, was ich heute auch auszu-führen gedenke. Wie Du siehst, wohne ichauf einem Rittergute de Consieres, demalten Sitze der Prinzen de Rohan 12 Kilom.von Tours beim Dorfe Veigne u. Mont-bazon am Indre gelegen. Der Besitzerist mit seiner Gemahlin in Pau und hataußer den Gärtner noch die Köchin zu-rückgelassen. Wir leben so angenehm hierwie es nur möglich ist. Gegen 8 Uhrwird aufgestanden und Toilette gemacht.Dann im Speisesaal Kaffee getrunken,dann Cigarren geraucht und am Fuß desBerges Apell abgehalten. Demnächst wirdeine Spazierfahrt gemacht durchs Indre-thal, um mit gutem Appetit das Dejeunergegen 1 Uhr einnehmen zu können. Dem-nächst wird im Park oder auf der Ter-rasse Kaffee getrunken, eine kleine Kahn-fahrt nach Montbazon oder auch Spazier-ritt in die Umgegend gemacht. Zu Zeitenbesuchen wir auch wohl die benachbar-ten Gutsbesitzer. Nach unserer Rückkehrwird der Bratenrock angezogen und derHaushofmeister, ein Gefreiter der Comp,meldet, daß das Diner serviert sei. Selbst-redend ist dasselbe immer gut und trinkenwir zu jeder Speise eine andere SorteWein: „Wir haben es ja, wozu sollenwir knausern?“ Nach dem Diner Wirdder Kaffee im Musikzimmer gereicht, derKronleuchter, wie überhaupt alle Lampenbrennen jeden Abend. Im Kamin brenntein lustiges Feuer. Die Sessel werdendann an das Feuer herangerückt. Einerder Kameraden spielt ausgezeichnet Kla-vier und Harmonium (beide Instrumentesind vertreten) und bei den Klängen präch-tiger Musik und beim Rauch einer gutenCigarre freut man sich seines Lebens.