750 Visionen Visirkunst
ital. und franz. Schriften. V. kann allerdings in Hinsicht aufGcnialitätmitWinckcl-mann (s. d.) nicht verglichen werdender hat sich nie an mythologisch-philosophische For-schungen gewagt und sich rein an das Äußerliche und Künstlerische der Kunstdenkmäler ge-halten. Hier aber steht er fast einzig da. Auch hat er große Schriftstellertugenden; besondersist er kurz und präcis. — Sein Bruder, Filippo AurelioV., der als Fortsetzung des„iVluzoo kio-Oementino" das, Museo Llrisrainonti" herausgab, starb zu Nom am 3V.März >831. — Ein zweiter Bruder, Alessandro V., geb. zu Rom am 12 . März1757, war Arzt, machte sich übrigens durch seine Beschreibung der Villa Aldobrandini,durch sein numismatisches Journal und mehre Abhandlungen bekannt, und starb zu Nom am7. Jan. >835. — Des Letzter» Sohn, Pietro Ercole V., ebenfalls Archäolog, ist immer-währender Secretair der röm. archäologischen Akademie und Oommissario tleUe -mticilit».
Visionen nennt man Einbildungen der Seele, welche so lebhaft sind, daß sie vonwirklichen Erscheinungen herzukommen scheinen. Sie entstehen häufig in Zuständen gereizterEinbildungskraft und bei beschränktem Verkehr des Geistes mit der Außenwelt, z. B. in derEinsamkeit, und sind beinahe Eins mit Phantasmen (s. d.); doch läßt sich zwischen beiden !der Unterschied annehmen, daß den Visionen gewisse bestimmte Vorstellungen der Seele !oder wirkliche Begebenheiten zum Grunde liegen, welche durch die Bilder entweder geradezuoder in symbolischer Bedeutung dargestellt werden, während die Phantasmen durch körper-liche krankhafte Einwirkungen bewirkt werden, welche die Einbildungskraft der Seeleerregen und lebhafte Bilder erzeugen. Die Phantasmen sind stets Täuschungen , die Vi-sionen dagegen können vielleicht Wahrheit enthalten. Visionen stellen sich oft beim Übergängevom Wachen in Schlafen und umgekehrt ein; oft sind sie auch Vorzeichen einer größer»Seelenstörung. Einer der merkwürdigsten Visionaire war Swedenborg (s. d.). Inneuerer Zeit hat sich die Zahl der hierher gehörigen Beispiele sehr vermehrt, da man aufdergleichen Fälle aufmerksamer geworden ist. Wir erinnern nur an die Seherin vonPrevorst (s. d.).
Visir heißt der gewöhnlich auf dem hintern Theile eines Feuerrohrs, zuweilen auchmchrnack vorn befindliche Einschnitt, der bei der Flinte, Pistole, Kanone und Haubitze unmittel- ibar am Rohre, und bei der Büchse in einer kleinen stählernen Klappe angebracht ist. DasVisir muß bei richtiger Lage des Rohrs in der Verticalebene stehen, welche durch die Seelen-achse gelegt werden kann. In dieser Ebene befindet sich auch vorn am Rohr das Korn; istmithin die Visirlinie, d. h. die Linie über Visir und Korn, nach dem Ziele gerichtet, soliegt auch die Seelenachse in einer durch das Ziel gehenden Verticalebene. Ist das Korn sohoch, daß die Visirlinie mit der Seelenachse gleichläuft, so nennt man das Rohr verglichen.
Da aber ein mit dem Geschütz gleich hoch stehendes Ziel bei dieser Richtung nicht getroffenwerden würde, weil sich däS Geschoß senkt,--sobald es das Rohr verlassen hat, so macht mangewöhnlich das Korn etwas niedriger, sodaß Visirlinie und Seelenachse nach vorn conver-giren und den Visir Winkel bilden. Wird nunmehr die Visirlinie nach einem gleich hochstehenden Ziele gerichtet, so ist die Seelenachse nach vorn erhöht, der Bogen, den das Geschoßbeschreibt, etwas höher, das Geschoß erreicht also eine weitere Entfernung, und der Schußwird ein Visirschuß genannt. Da die Weite desselben aber aus größere Distanzen nochnicht ausreicht, so befindet sich an den bronzenen Kanonen und Haubitzen ein verschiebbarer sAufsatz (bei den Büchsen eine zweite, etwas höhere Klappe), in dessen obere Fläche ebenfallsein Visir eingeschnitten ist; eine Linie über das letztere und das Korn nach dem Ziele gibtdaher der Seelenachse die erfoderliche größere Erhöhung. — Visir heißt auch der Theildes Helms bei alten Rüstungen, welcher das Gesicht schützt, gewöhnlich aus einem obernund untern Theile besteht, die auch zurückgeschlagen werden können, und durchbrochen sind,um Luft und Licht einzulassen. — Visir heißt endlich der bei manchen zum Feldmessen be-stimmten Instrumenten seine lothrechte Einschnitt an der hintern aufrechtstehenden Platte,durch welchen man sieht, um den vordern Theil des Instruments in eine bestimmte Mich- ;tung zu bringen.
Visirkunst heißt derjenige Theil der angewandten Geometrie, welcher untersuchenlehrt, wieviel Einheiten eines bekannten Hohl- oder Flüssigkeitsmaßes irgend ein Gefäßenthält, insbesondere ein Faß. Die Dimensionen desselben bestimmt man entweder durch