Uzen Vahl 557
geschriebene Lehrgedicht „Die Kunst, stets fröhlich zu sein" (1760), welche damals einevorzügliche Stelle unter den Erzeugnissen in diesem Fache behauptete; auch vermehrte erseine bereits 1755 herausgekommenen „Lyrischen und andern Gedichte" mit einem drittenund vierten Buche. Er wurde 1763 Assessor des kaiserlichen Landgerichts in Nürnberg, undnachdem er noch eine vollständige Sammlung seiner„Poetischen Werke", denen er ein fünftesund sechstes Buch beifügte, für den Druck vorbereitet hatte, welche 1768 von Weiße in einerPrachtausgabe (2 Bde.) herausgegebcn wurde, entsagte er allen poetischen Arbeiten undwidmete sich blos den Geschäften seines Amtes. Jedoch arbeitete er 1781 auf Verlangenseines Fürsten mit Zunkheim das „Neue ansbachische Gesangbuch" aus. Er wurde 1771Mitglied des neu eingerichteten Scholarchats, 1790 burggräflicher Director, und als Ans-bach an Preußen fiel, Geh. Justizrath und Landrichter zu Ansbach, starb aber wenigeStunden nachher, am 12. Mai 1796. Als lyrischer Dichter zeichnete sich U. im scherzhaftenund geistlichen Liede und in der Briefform durch Leichtigkeit und feine Gedanken aus. Inseinen religiösen Oden, wie in der „Theodicee", findet man die Spuren Leibnitz'scher Philo-sophie. Seine „Poetischen Schriften" gab nach seinem Tode CH. F. Weiße heraus (2 Bde.,Wien 1804; neue Ausl., 1824). In Ansbach wurde ihm 1825 im königlichen Schloßgartenein Denkmal errichtet, wozu Heideloff die kolossale Büste verfertigte.
Uzen, s.Kumanen.
" Äacanz heißt das Erledigtsein einer Stelle, insbesondere einer kirchlichen. In der altenchristlichen Kirche wurde Vacanz nur von einem erledigten Bischofssitze gebraucht. (S. Se-disvacanz.) Da unlautere Absichten die Dauer der Vacanzen ins Ungebührliche ausdehn-ten, so bestimmte die Kirche schon frühzeitig, daß eine von einem Laien zu vergebende Stellenicht über sechs Monate und die von einem geistlichen Patron zu besetzende nicht über vierMonate bei Verlust des Patrvnatsrechts unbesetzt bleiben durfte. Auch die protestantischeKirche gestattet Vacanzen, die in der Regel sechs Monate währen und nur in seltenen Fällenentweder zu Gunsten der Hinterlassenen oder auch um einer armen Kirche aufzuhelfen, ver-längert werden. Alle Amtsgeschäfte während der Vacanz haben nach der Anordnung desSuperintendenten die benachbarten Geistlichen zu verrichten.
Vaccimren, abgeleitet von vsccina (nämlich vsriolg), nennt man die Kuh Pocken-impfung (s. d.).
Vacüna, eine Göttin, deren Dienst wol von den Sabinern, in deren Land Horaz ei-neu verfallenen, in der Nähe seines Landguts gelegenen Tempel, und Plinius Haine der V.s erwähnt, nach Rom gekommen war, wo sie noch zu Ovid's Zcit gefeiert wurde. Man betrach-tet sie (nach der Ableitung von vacuus, d.i. ledig) als die Göttin der Freiheit von der Arbeit.
Vacüum, s. Leere.
Bahl (Mart.), Botaniker und Naturforscher, wurde zu Bergen am 10. Oct. 1749 ge-boren und zeigte schon frühzeitig große Vorliebe zu den Naturwissenschaften. Er machteseine Studien theils in Kopenhagen, wo er 1766 Zoega horte, theils in Upsala, wo er von1769—74 Linne"s Unterricht und Freundschaft genoß, und wurde 1779 als Lector am bo-tanischen Garten zu Kopenhagen angestellt. In den 1.1783—85 machte er seine erste grö-ßere Reise durch Holland, Frankreich, Spanien, in die Berberei, durch die Schweiz und Eng-land. Nach seiner Rückkehr übernahm er die Fortsetzung der „L'iora cisnica", von welcher erHeft 16—21 (Kopenh. 1787—1803) herausgab, nachdem er zuvor noch etwa drei Jahrelang Norwegen bereist hatte. Durch seine Reisen im Süden war er in den Stand gesetzt.Viele Angaben in Tournefort's „Herbarium" zu berichtigen; die Resultate dieser Forsch UN-