Druckschrift 
14 (1847) Sueven bis Viterbo
Entstehung
Seite
736
Einzelbild herunterladen
 

736 Vindelicia

falen, ausgezeichnet als Staatsbeamter und als Schriftsteller im Gebiete der Staatswissen»schüft, einer der edelsten deutschen Männer, wurde zu Minden am 23. Dec. I 773 geboren.

Seine Bildung erhielt er im väterlichen Hause, dann auf dem Pädagogium zu Halle, woraufer die Universitäten zu Marburg, Erlangen und Göktingen besuchte. Da sein Vater vor-züglich in Preußen begütert, auch Domdechant in Münster war, so bestimmte sich V. für denpreuß. Staatsdienst Er trat 1795 als Referendar in die kurmärkische Kammer und in dasManufacturcollcgium zu Berlin und erhielt 1798 die Assesfur beider Behörden. Bald daraufwurde er Landrath im Mindenschen Kreise, > 892 aber nach Spanien gesendet, um Merinoszur Veredelung der deutschen Wolle anzukaufcn. Nach seiner Rückkehr wurde er 1803Kammerpräsident in Aurich und 1893, als Freiherr von Stein ins Ministerium trat,dessen Nachfolger als Präsident dcrKammer zu Münster und Hamm. Auch 1896 nach demEinmarsch der Franzosen blieb er in Münster noch einige Zeit in Thätigkcit. Dann begab ersich nach England, um dort das vaterländische Interesse zu fördern. Nach dem Frieden vonTilsit kehrte er in den preuß. Staatsdienst zurück und wurde Chefpräsident der Negierung zuPotsdam. Nicht ohne Hoffnung und Plane für die Zukunft nahm er > 8 > 9 seine Entlassungund kehrte in seine Heimat zurück, wo er das elastische WerkÜber die Verwaltung Groß-britanniens^ (hcrausgcgcben von Niebuhr, Berl. 1816) schrieb. Ein Mann wie V. mußtenothwendig den franz. Behörden verdächtig erscheinen; er wurde arretirt, seiner Papiereberaubt und endlich auf das linke Nheinufcr verwiesen. Die Ereignisse im Z. 1813 führtenihn nach Deutschland zurück, und als Civilgorn-crncur der wcstfäl. Provinzen entwickelte ernun seine ganze Thatkraft, namentlich bei der Ausrüstung der Freiwilligen, der Zusammen-bcrufung der Landwehr und der Organisation des Landsturms. ImI. <815 wurde erObcr-präsidcnt der neu zu organisircnden Provinz Westfalen und leistete hier, als Napoleon'sRückkehr von Elba zu neuem Kampfe aufricf, Außerordentliches durch die begeisterte Theil-nahme, welche er für die gute Sache in allen Elasten des Volks zu erwecken verstand. ImI. 1817 wurde er zum Mitglied des Staatsraths und 1825 zum Wirklichen Geh. Rathernannt. Unendlich viel verdankt ihm Westfalen; unter seiner Verwaltung wurden eineMenge herrlicher Kunststraßcn, selbst durch die Moräste des Münsterlandes angelegt, dieWesercommunication bedeutend erleichtert, die Lippe bis Hamm schiffbar und ein großerRheinhafen bei Ruhrort eingerichtet. Ein besonderer Gegenstand seiner Thätigkcit war diefeste Bestimmung des Verhältnisses zwischen Gutsherrn und Bauern. Vgl. seine klassischeSchriftÜber die Gcmeinhcitstheilung" (Berl. 1825), worin er sich gegen die zu große Zer-splitterung des Erundcigcnthums aussprach. Auch wirkte er vorthcilhaft auf die Landes-cultur durch die Gcmeinheits- undHaidethcilung. Nicht weniger that er für den öffentlichenUnterricht, namentlich verdankt ihm Westfalen die Einrichtung mehrcr Schullchrerseminarien.EinLandarbcitshaus würde von ihm )uBcnninffshansen imI. 1829 gegründet. BesondereAufmerksamkeit widmete er endlich auch allen wissenschaftlichen Instituten; er ließ diemünsiersche Bibliothek und mehre Archive ordnen; ebenso errichtete er zu Münster ein Mu-seum der westfäl. Alterthümcr. Er starb am 2. Dec. 1833. Sein ältester Sohn, derFreiherr von V-, geb. 1819 zu Münster, zeither Landrath zu Hagen in Westfalen, welcheStelle er aber >837 niederlegte, gehört zu den Koryphäen des ersten Vereinigten Landtagsin Preußen. Er hat ungemeine Beredtsamkeit und einen auf Geist und Eemüth gestützten kFreisinn bewiesen, übrigens in einigen Zügen eine gewisse Verwandtschaft mit dem sächs.Landtagsabgeordneten von Thielau(s. d.) beurkundet. Durch den 1836 in jungen Jahrenerfolgten Tod seines Vetters, des durch mehre geschichtliche Schriften bekannten ErnstLudw.von V., kam er in Besitz des bedeutenden Familienstammgutes Ostenwalde.

Vindelicia, das Land der wahrscheinlich zum Stamm der Kelten (s. d.) gehörigenVindeliker, die in vier Völkerschaften, den Consuanctes, Rucinates, Catenates und Li-cakeS mit der Bergfestung Damasia, vom Lech (läcus) bis zum Znn und von den bair. Alpenbis zur Donau wohnteNl Sic wurden im 1.15 v. Ehr., zu derselben Zeit, wo Drusus ;Nhätien (s. d.) unterwarf, von Tiberius unterjocht, nachdem dieser die Stämme zwischenLech und Bodensee (siiScus ÜngsotinusoderVenetus), namentlich die Estiones mit der StadtCampodunum (Kempten) und die Brigantii mit Brigantium (Bregenz), besiegt hatte, dievon Einigen zu den Vindelikern, von Andern vielleicht richtiger zu den Rhätern gezählt wer-