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Vinckr
Malerei verbreitete V.'s Thätigkeit sich auch über mancherlei andere Unternehmungen vonerstaunlichem Umfange. Er leitete das Wasser der Adda nach Mailand, zog den schiffbarenKanal von Mortesana nach den Thälern von Chiavenna und dem Veltlin durch eine Streckevon 200Miglien u.s.w. Nach der Eroberung Mailands im I. l 499 kehrte er nach Florenzzurück, wo er den Auftrag erhielt, eine der Wände in dem großen Saale der Nathsver-sammlung zu verzieren. Bei dieser Gelegenheit fertigte er, mit Michel Angelo wetteifernd,einen Canon, der den Sieg der Florentiner unter ihrem Anführer Niccolo Piccinino darstel-lend, zu seinen ausgezeichnetsten Arbeiten gehörte; leider ist der Carton verloren und nur eineNeitergrupxe daraus in einem Edclinck'schen Stich erhalten. Andere Werke derselben Epochesind derCarton der heil.Anna (in London), die Anbetung der Könige (braune Untermalung,in Florenz) und das herrliche Portrait der Mona Lisa, gewöhnlich Gioconda genannt. AlsLeo X. 1513 den päpstlichen Stuhl bestieg, begab sich V. im Gefolge des Herzogs Giulianode' Medici nach Rom, wo er die Modestia und Vanitas (in der Galerie Sciarra) und denChristus unter den Schriftgclehrten (in London) malte. Im I. t 516 berief ihn Franz l.nach Frankreich, wo er wahrscheinlich nur noch die Vieige aux rocbers (im Louvre) maltel und schon 1519 starb, nicht aber in den Armen desKonigs Franz, wie gewöhnlich angegeben
j wird. Es ist nicht genug zu beklagen, daß dieser reiche und gewaltige Genius sich nicht einzig
auf die bildendeKunst concentrirtc, in welcher er so groß und wunderbar war als irgend einerseinerZcitgenossen. Noch betrübender aber ist das schlimme Schicksal, welches die verhältnis-mäßig nicht zahlreichen wirklich von ihm ausgeführtcn Werke verfolgt und die drei vorzüg-lichsten darunter der Nachwelt ganz oder großentheils entzogen hat. Es lag in D. eine Un-geduld und eine Unzufriedenheit mit seiner Darstellungskraft gegenüber seinen Idealen,welche ihn an der ruhigen Production hemmte. Sein Wahlspruch war: „Vogli sempre guelcbe tu clsbdi", d. h. wolle immer, was du sollst. Beim Anfänge einer Arbeit so furchtsam,daß er gleich einem Anfänger zitterte, stieg seine Unzufriedenheit mit seinem Werke immer
, mehr, bis er es meist noch vor der Vollendung aufgab. Und doch sind seine Werke in jeder
Beziehung unvergleichlich. Die Grundlage seines Schaffens war eine unermüdliche Be-1 obachtung der Menschen im ernsten wie im komischen Ausdruck; allein dieser Neigung zumNaturalismus hielt eine große und tiefe Empfindung, ja eine zarte Schwärmerei die Wage;hoher Schwung der Gedanken und ein innerer Drang nach göttlicher Schönheit tratenvollendend hinzu. Außer den genannten gehören zu seinen berühmtesten Werken eine Leda(in der Sammlung des Fürsten Kaunitz in Wien), Johannes der Täufer (sonst im franz.Museum) und das Bild des Herzogs Ludov. Maria Sforza (in der dresdner Galerie). Fastnicht minder schätzbar als die Gemälde find seine Schriften. In seinem „Trattato Oellapittnra" (Par. 1651, Fol.; beste Ausg. von Manzi, 2 Bde., Rom 1817, 4.) hat er dieLehren vom Lichte, vom Schatten, von den Reflexen und hauptsächlich von den Hinter-gründen mit der tiefsten Einsicht abgehandelt. Außer dieser Abhandlung ist von ihm nurnoch das „Fragment <i'nn traite sur les wouvemens 6u corps kumain" gedruckt; hoch dieAmbrosirnische Bibliothek in Mailand besitzt mchreHandschriften von ihm, die zum Theil nachParis wunderten; sieben andere sollen an den König Philipp von Spanien gekommen sein.^ Von V.'s Handzeichnungen und Studien gab Caylus eine Sammlrmg heraus unter dem' Titel „Recueil 6e totes cie csractere et <le ckargs etc." (Par. 1730), wovon auch eindeutscher Nachstich vorhanden ist. Auch sind noch zu erwähnen die von Gerli gestochenen„Dessins 6e I-eon. Oe V." (Mail. 1784); Amoretti's „Osservamoni sopra i 6'issgai 6iDeonarcko" (Mail. 1784) und die von Chambcrlaine herausgegebenen „lmitations ok ori-ginal Oesigns dx Deon. 6a V." (Lond. 1796, Fol.). Vgl. Brown, „Ilie lik« of Dein.6a V." (Lond. 1828). DeS Grafen von Eallenberg „Leon, da V." (Lpz. 1834) ist nureine Bearbeitung von Amoretti's Hauptschrift, der „lEsinoris storicke su la vita etc.Oi I»eoo. 6a V." (Mail. 1804). Vgl. auch Fumagalli's Kupferwerk „Scnoia 6i I.eon.' 6» V. in Dombsrclia" (Mail. 18 lI). Unter V.'s früher« Nachahmern sind Lorenzo di Credk
und G. A.Soliam, unter seinen mailänd. Schülern Bern. Luini (s. d.), Marco d'Oggione,G. A. Beltraffio, Franc. Melzi und Cesare da Sesto zu nennen; Gaudenzio Ferrari standwenigsten- unter seinem Einfluß.
Vincke (Friede. Ludw. Wilh. Phil., Freiherr von), Oberpräsident der Provinz West-