Druckschrift 
14 (1847) Sueven bis Viterbo
Entstehung
Seite
733
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Vinalia

Vincent

empfohlen hatte, wurde seine Strafe in Verbannung verwandelt. Am Abend vor seinemAbzug schrieb er wie ein Sterbender sein?etit testament". Eines neuen Verbrechenswegen zu Meun an der Loire eingekerkert und wieder zum Tode vcrurtheilt, rettete ihm aber-mals eine Ballade an seine Freunde, worin er sie bat, sich für seine Begnadigung zu ver-wenden, das Leben. Dies begeisterte ihn zu neuen Gedichten, und er schrieb nun sein so be-rühmtes(lodicills et grand testament" und mehre Balladen. So verbrachte er den Nestseiner Tage in Armuth und in tollen Streichen in dem südlichen Frankreich und wahrschein-lich zuletzt zu Saint-Maixent in Poitou. Oft war er der Verzweiflung und dem Selbstmordnahe, aber ein Rest von Religiosität hielt ihn davon ab. Er soll kurz vor dem Ende der Re-gierung Ludwig's XI. gestorben sein. Sein Charakter, rin wunderliches Gemisch von genuß-süchtiger Frivolität und Bonhomie, von unverschämter Laune und liebenswürdigem Leichtsinn,spiegelt sich am besten in seinen Werken, die so durchaus volksthümlich sind, daß sie lange Zeit fürdie einzig bcachtenswerthen der älternftanz.Poesie galten. V.kann auch in stilistischerRücksichtals einer der Ersten gelten, die mit Eleganz, Reinheit und anmuthigcr Leichtigkeit die franz.Sprache zu handhaben wußten und ihr so die Eigenschaften des Stils gaben, worin sie ammeisten national geworden ist. Die »»bezweifelt echten Werke V.'s bestehen, außer den beidenerwähntenTestamenten", satirischen Sittengcmälden, worin er den Genossen seiner Aus-schweifungen ihrem Treiben entsprechende Vermächtnisse macht und die wie alle seine Gedichtevoll von ausgelassenen Anspielungen und cynischen Ausdrücken sind, aus drei burleskenErabschristen, elf Balladen, welche Dichtart er besonders vervollkommnet hat, demäargo»et ändelin de Villon", d. i. sechs parodischen Balladen im Argot, demDit de la naissanceAlarie de Dourgogne", und einerDouble ballsde", welche beide letztem Gedichte er zumDanke für die Verwandlung seines Todesurtheils in Verbannung auf die Geburt dieserPrinzessin gemacht hat. Noch hat man ihmDe recueil des b^stoires des repeues krsn-ckss", eine Sammlung von Spitzbubenstreichen, die er und seine Genossen begangen habensollen, sowie man ähnliche Streiche Tours villonnirjues genannt hat, und zwei Sotiesoder komische ScenenDe monologue de kreme arcbier et le dialogue eie Messieurs deNale-pa^s et <1s Duille-vent" beigelcgt. Die erste Ausgabe der Werke V.'s erschien ohneDatum und Druckort in einem Octavband mit der Tarce <!e Datbelin und denDoesiesd'XIsxis lls I^rs" (wahrscheinlich zu Paris um l 493); unter den übrigen sind bemerkcns-werkh die Ausgaben von Clement Marot (Par. 1539, 1533 und 1542), von Urbain Cou-stellier (Par. 1723), von Formey (Haag 1742) und die neueste mit ungedruckten Stückenvermehrte und mit Handschriften verglichene von Prompsault (Par. 1832).

Vinalra hießen zweierlei Feste bei den Römern, von denen das erste (Xinalia prioraoder urbana) am 23. Apr., das zweite (Vinalia altera oder rustica) am 2l.Aug., unmittel-bar vor der Weinlese, gefeiert wurde. Bei dem erstem öffnete jeder Hausvater die Weinfässerund brachte daraus den erstenBecher dem Jupiter dar. Das andere begann der Eigenpriesterdes Jupiter damit, daß er die ersten Trauben abschnitt und diese dem Jupiter weihte. Erstnach diesem Feste durfte der vorjährige Wein verkauft werden, während der neue bereits demSchutze des Jupiter anvertraut war.

Vincent (Will.), verdienter engl. Schulmann und Schriftsteller, wurde in Londonam 2. Nov. >739 geboren. Er besuchte die Westminsterschule, studirte seit 1757 in Cam-bridge Theologie und wurde 1762 Unterlehrer an der Westminsterschule. Seine ausge-zeichneten Lehrerfähigkeiten verhalfen ihm 1771 zu der zweiten Lehrerstelle an dieser Anstaltund 1776 ernannte ihn der König zu einem seiner Kaplane. Seitdem bekleidete er mehreehrenvolle Ämter, bis er 1802 die einträgliche Stelle eines Dechanten an der Peterskirchc zuWestminster erhielt, die er bis an seinen Tod im1.1815 behielt. Als Schriftsteller zeichneteer sich namentlich durch seine trefflichen Werke über alte Geographie aus, wieTKe vo^ageoflXesrclnis to tlie Dujdirates" (Lond. 1799) undTbe periplus ok tbe Lr^tlirean sea"(2 Bde., Lond. 18995), welche er später vereinigt und verbessert unter dem TitelTbecommerce and tbe Navigation of tbe ancisnts in tbo Indian ocean" (2 Bde., Lond.1897,4.) herausgab. Bekanntisterseiner Zeit auch durch religiöse Streitschriften, namentlichdurch seinen mit Rennel und Bischof O'Beirne über die Erziehung auf den engl. Landes-universitäten geführten Streit geworden.