578 Variationen Varius >
Hauptsatz, welcher auf diese Art variirt wird, heißt das Thema, und es gilt als erste Regel:
Zn einer jeden Variation muß man die Grundmelodie des Themas noch durchklingen hören.
Ein Thema wird entweder so variirt, daß jede auf obige Art modisicirtc Wiederholung dessel-ben einen für sich bestehenden, ohne Beziehung auf die übrigen Veränderungen in sich abge-schlossenen Saß, von durchaus gleichem rhythmischen Umfange wie das Thema, bildet, oderso, daß man dabei nicht so streng auf das Thema, sowol in Hinsicht der zum Grunde liegen-den Melodie als des Umfangs, Rücksicht nimmt, die Veränderungen mehr oder weniger aus-führt, oder sie durch eingeschaltete Zwischensätze so verbindet, daß sie zusammen ein Ganzesbilden. Im erster» Falle nennt man den Satz (das Thema) streng variirt, und solche Ver-änderungen heißen dann Variationen im eigentlichen Sinne. Dergleichen werden gewöhn-lich für eine Hauptstimme entweder allein oder mit Begleitung anderer, zuweilen aber auchfür mehre Stimmen abwechselnd (comertirend) gesetzt. Im letzter» Falle nennt man diese ,Veränderungen freie Variationen oder einen variirten Satz. Gewöhnlich setzt man, wenn dieVariationen das ganze vorzutragende Musikstück ausmachen, eine Introduktion voran, inwelcher schon Anklänge des Themas zu hören sind. Gesangsvariationen, wie die von Ri-ghini und Winter, werden meist blos angewendct, um die Virtuosität des Sängers zu zeigen.
Variationen und Variationsrechnung, s. Combination.
Variationscompaß oderDeclinatorium, s. Magnetnadel.
Varicellen oder unechte Menschenpocken nennt man eine Hautkrankheit, welchegleich den Blattern (s. d.) von Fieber begleitet und ansteckend ist, aber gewöhnlich einenviel schnellern und gelinder« Verlauf als jene hat. Die Vorläufer fehlen gänzlich oder be-stehen in sehr geringen Beschwerden; das Fieber ist mäßig und kurz; der Ausschlag erscheintnicht in regelmäßiger Drdnung, ist nur von Jucken, nicht von Brennen begleitet; die Pustelnfüllen sich entweder gar nicht oder sehr schnell; die Abtrocknung geschieht ohne weitere stür-mische Zeichen schon nach einigen Tagen, ohne daß alle Pusteln Narben Hinkerlaffen, undnur die Form der Pusteln ist der der echten Menschenpocken oft ähnlich. In vielen Fällenjedoch treten an die Stelle der Pusteln Bläschen, solide Knoten oder Höcker, welche zu denverschiedenen Namen Wasser-, Wind-, Stein-, Warzen-, Horn-, Pelz-, Spitz- ,Pocken u. s. w. Anlaß gegeben haben. Die Anlage zu dieser Hautkrankheit ist weit wenigerverbreitet als die zu den echten Menschenpocken und wird weder durch diese noch durch dieKuhpocken getilgt, sowie die Varicellen auch kein Schutzmittel gegen jene sind. Die Behand-lung kann sich meist auf die bei den Blattern zu beobachtende Diät beschränken. !
Varietät, s. Spielart.
Varinaskanaster, s. Tab ack.
Bariolit, si Porphyr.
Darioloiden ist der Name einer gelinden, Abart der echten Menschenpocken, die beiIndividuen beobachtet wird, welche zwar früher geimpft worden sind, bei denen aber dieDisposition für die echten Pocken nicht vollkommen getilgt worden ist, sodaß der Einfluß ,
eines Pockencontagiums die Schuhkraft der Kuhpocke noch überwiegt, wie dies z. B. der z
Fall zu sein pssegt, wenn die gehörige Entwickelung letzterer durch irgend einen Umstand ge-stört worden ist. Der Verlauf derVarioloiden ist dem der echten Pocken sehr ähnlich, nur ist ,
das Fieber meist gelinder und das Eiterungsfieber sowie der cigenthümliche Pockengeruch i
fehlen gänzlich. Der Ausbruch des Ausschlags selbst erfolgt an den einzelnen Stellen des ^
Körpers ziemlich gleichzeitig, erstreckt sich aber selten über den ganzen Körper; auch erreichendie einzelnen Pusteln nicht die Größe der echten Blattern, und viele andere bleiben als Knöt- :
chen und Bläschen stehen; endlich hinterlassen sie entweder gar keine Narben oder solche von ;
natürlicher Hautfarbe. Häufig werden sie mit denVaricellen (s. d.) verwechselt. ;
Variorum, c„m uotis, heißen gewisse Ausgaben lat. Schriftsteller mit den Anmerkmi- <
gen verschiedener Erklärer, dir im 17. und 18. Jahrh. meist in Holland von Thysius, Schrc- ^
vel, Pitiscus, Knipping u. A> erschienen und jenen Zusatz gewöhnlich auf dem Titel führen.
Diese Ausgaben bieten aber weder in kritischer noch exegetischer Hinsicht etwas Eigenthüm- >liches dar und haben daher jetzt nur noch einen historischen oder bibliographischen Werth. j
Varius (Lucius), ein namhafter epischer und tragsscher Dichter im Augusteischen IZeitalter, vertrauter Freund des Horaz und Virgil, verfaßte ein Epos, worin er die Thaten