Urteilskraft Uruguay ' 547
dieZwischenurthcl (Jnkcrlocutc), welche die Entscheidung in der Hauptsache erst vondem Ausgange gewisser durch sic angcordnctcr proccssualischcr Handlungen, z. B. des Bx-wcises, abhängig machen, von den Endnrthcilen.
Urtheilskraft nennt der gewöhnliche Sprachgebrauch, sowie die von der Voraus-setzung besonderer Scelenvermögen abhängige Psychologie, das Vermögen, Urtheile zu bilden.Insofern nun unsere Erkenntuiß der uns umgebenden Welt, die Auffassung und Bcurthei-lung der Ereignisse, die Erwartungen, die wir von dem Lauf der Begebenheiten hegen, undnach denen wir unsere Handlungen cinrichten, unwillkürlich die Form von Urtheilen annch-men, versteht man unter Urtheilskraft wol auch die Fähigkeit, angemessen, treffend undrichtig zu urtheilen, und die Bedeutung des Wortes Urtheilskraft ist dann sehr verwandtmit der des Wortes Verstand (s.d.). Scharfsinn, Ticfsinn, Vorsicht, Umsicht, Witz wer-den dann als verschiedene Äußerungen der Urtheilskraft angesehen; Einfalt und Dumm-heit bezeichnen den Mangel oder eine große Unvollkommenheit derselben. Unter der Vor-aussetzung, daß die Urtheilskraft ein besonderes Vermögen der Seele sei, welches wie dieübrigen Scelenvermögen nicht nur eigenthümliche Functionen ausübc, sondern auch be-stimmte, ihr specisisch ungehörige Begriffe in sich trage, hat namentlich Kant in seiner„Kritik der Urtheilskraft" ihr eine sehr ausführliche Untersuchung gewidmet. Er unter-schied die subsumircnde Urtheilskraft, d. h. die, welche das Besondere und Ein-zelne einem schon bekannten Allgemeinen untervrdnet und danach bestimmt, und die re -flectirende, d. h. die, welche zu der gegebenen Mannichfaltigkeit einzelner Data dieEinheit einer allgemeinen Regel sucht. Kant glaubte das regulative Prineip dieser letztemFunction in dem der reflectircnden Urtheilskraft cigenthümlichen Begriff der Zweckmäßigkeitgefunden zu haben; die beiden Hauptgebiete, wo wir nicht nach Zwecken handeln, sondernnach Zwecken suchen und Zwecke als realisirt vorausschen, sind die Kunst und die Natur;daher enthält Kant's „Kritik der Urtheilskraft" theils die Kritik de- Geschmacks (die Ästhe-tik), thcils die Kritik der teleologischen Ansicht der Natur.
Uruguay oder Lepudlic» oriental clel vrugua^, ist ein Freistaat im ehe-maligen span. Südamerika, der einen Flächeninhalt von 5000 iliM. besitzt und im Südenrom Rio de la Plata, im Westen vom Uruguayflusse, welche beide Flüsse es von der Plata-Union trennen, im Norden von Brasilien und im Osten vom Atlantischen Ocean begrenztwird. Das Land ist im Ganzen ein ebenes zu nennen, besonders nach dem Meere zu, wäh-rend es in den übrigen Theilen mehr hügelig ist und im Innern von einer niedrigen Berg-kette, der Sierra de San-Paulo, von Norden nach Süden durchzogen wird. Mit Äusnahmeriniger sandigen Striche an der Küste und einiger fteppenartigen im Innern, ist das Landfruchtbar und theils zum Ackerbau, theils in den wcidereichen Grasflächen besonders zurViehzucht geeignet. Außer den Grenzflüssen Rio de la Plata, Uruguay und Jbicuy, welcheres auf einer Strecke der Nordgrcnze von Brasilien scheidet, wird cs im Innern von mehrenandern Flüssen bewässert, die meist alle in den Uruguay fallen und von denen der Rio Ncgroder bedeutendste ist. Än der Küste des Atlantischen Oceans gibt es mehre Lagunen und Seen,von denen derMirimsee der bedeutendste ist. Hinsichtlichseinerphysischen und ethnographischenBeschaffenheit kommt das Land im Allgemeinen ganz mit der P la ta-U n io n(s. d.) überein.Die Zahl der Einwohner wird zwischen >25000 und 225000 angegeben. Der größte Thcilderselben ist span., wenn auch zumTheil mitindian. Blute vermischten Ursprungs, so besondersdie zahlreichen Gauchos (s.d.), deren Hauptbeschäftigung die Viehzucht ist und die jetzt wäh-rend der fortdauernden Kriege und Unruhen das herrschende Volk bildeten. Außerdem findetman auch noch Indianer und viele curop. Einwanderer, besonders Spauier, Basken, Franzo-sen und Italiener. Die Einwohner und das Land sind in Folge der inner» Zerrüttung desStaats noch sehr in der Cultur zurück, vorzüglich diessändliche Bevölkerung der Gauchos.Viehzucht, vornehmlich auf Rindvieh und Pferde, ist deshalb noch die vorwiegende Beschäf-tigung der Einwohner, und ihre Erzeugnisse, Häute, Fett, gesalzenes Fleisch, bilden dieHaupt-prvducte und Ausfuhrartikel des Landes. Dagegen ist der Ackerbau, obgleich er reichen Er-trag geben könnte, noch sehr zurück und der Gewcrbfleiß befindet sich noch gänzlich in derKindheit; fast nur die eingewanderten Europäer geben sich mit Gewerben und Künsten ab.