548 Uruguay '
Dlos an der Küste, am Rio de la Plata und am Uruguay befinden sich cim'gc größere Städte,deren man in dem noch immer vcrhältnißmäßig unbekannten Lande nur wenige ganz unbedeu-tende findet. Durch seine Lage, mit der es den Ausfluß des Rio de la Plata beherrscht, ist U.von großer commercieller und maritimer, sowie auch strategischer Wichtigkeit, «nd wird diesnoch mehr werden, wenn cS erst besser angebaut und im Innern geordneter ist. Die politischeVerfassung des Staats beruht auf der 1830 gegebenen Constitution, die jedoch unter denimmerwährenden innern Kriegen und Unruhen nur ein Scheinwerk geblieben ist. Nach ihrsteht ein Präsident an der Spitze des Staats als Inhaber der vollziehenden Gewalt, wäh-rend ein aus neun Mitgliedern bestehender Senat und eine aus 29 Mitgliedern bestehendeAbgeordnetenkammer die gesetzgebende Gewalt besitzen. Die richterliche Gewalt wird durchbesondere Richter und Geschworene ausgeübt; Religions- und Preßfreiheit sind anerkannt,der Ocke Napoleon ist als Gesetzbuch eingeführt, das stehende Heer fast ganz abgeschafft undeine Nationalgarde an dessen Stelle errichtet. Die Einwanderung wird durch Verleihung desBürgerrechts an jeden Eingewanderten begünstigt. Der Staat ist in neun Departementscingetheilt. Hauptort des Landes ist Montevideo (s.d.); die bedeutendste Stadt nach dem-selben ist das östlich davon gelegene befestigte Maldonado mit 5000 E. und einem schö-nen Hafen, in dem nicht unbedeutender Handel getrieben wird.
Die Geschichte U.s unter der span. Herrschaft, unter der es den Namen der Bandaoriental führte, kommt im Allgemeinen ganz mit der der übrigen span. Colonien Südame-rikas (s. d.) überein. Besonders zeichnete es sich zu jener Zeit der span.Colonialherrschaft alsrin Hauptsitz des Schmuggelhandels aus, der von hier aus mit unglaublicher Kühnheit be-trieben wurde. Um ihn zu vernichten, zog die span. Regierung den entschlossensten allerSchleichhändler, Artigas, aus Montevideo, ums I. >800 in ihre Dienste. Als im I. >8llBuenos Ayres die Republik proclamirte, war Artigas ein Anhänger der Junta, und schlugdie königlichen Truppen. Nachdem der Anführer der Aufständischen, Oberst Alvear, am30. Juni I8lt Montevideo erobert hatte, verlangte Artigas, als Oberbefehlshaber in derBanda oriental, den Besitz der Festung, bemächtigte sich derselben, als die Regierung vonBuenos Ayres seine Federung abschlug, mit Gewalt und wurde deshalb als Staatsverrä-ther geächtet. Diesen Bürgerkrieg benutzte die portug. Regierung in Brasilien, um dieBanda oriental mitBrasilien zu vereinigen. General Lecor besetzte Montevideo am 19. Jan.1817; allein Artigas setzte den Kampf mit Brasilien, wie mit Buenos Ayres, fort, bis erendlich um 1820 nach Paraguay sich zurückziehen mußte. Unterdessen hatte die brasil. Re-gierung die Bewohner von Montevideo über den Anschluß der Banda oriental an Brasilienabstimmen lassen und nach dem Beschlüsse der Mehrzahl dieses Land nebst Montevideo untevdem Namen Cisplatinische Provinz >821 mit Brasilien vereinigt. Als aber Bra-silien sich 1822 von Portugal trennte, blieb die portug. Besatzung in Montevideo dem Mut-terlande treu, und erst im Dec. >823 gelang es den brasil.Truppen, Montevideo zu erobern,worauf Dom Pedro l. die Cisplatina mit seinem Kaiserthume vereinigte. Allein die Repu-blik Buenos Ayres wollte ihn nur unter der Bedingung der Zurückgabe von Montevideound der Banda an die Platarepublik als Kaiser anerkennen. Dom Pedro erklärte daher am10. Dec. 1825 an Buenos Ayres den Krieg. In der Banda selbst hatte das Volk gegen dieEinverleibung der Provinz in das brasil. Reich protestirt und sich unter den Schuh von Bue-nos Ayres begeben. Die Obersten Lavalleja und Fructuoso Ribera organisirten den Auf-stand der Gauchos und eine provisorische Negierung zu Florida, im Juni >825. Endlichvermittelte und garantirte Großbritannien den Frieden zwischen Brasilien und La Plata zuRio Janeiro am 27. Aug. >828 und zu Santa-Fe am 21. Oct., nach welchem die ProvinzMontevideo als ein unabhängiger Staat sich eine beliebige Verfassung geben durfte. Sieerklärte sich daher unter dem Namen Republica oriental ckel blruguaz' am 10. Scpt. >829für selbständig, und GeneralRondeau aus Buenos Ayres übernahm als Präsident die Ver-waltung des jungen Freistaats, der am 18. Juli 1830 sich seine noch geltende Constitutiongab. Am I. März 1835 übernahm der General Oribe die Präsidentenwürdc; allein diePartei des neben Oribe als Mitbewerber der Präsidentenwürde aufgetretenen Ribera, dersich nun an die Spitze der unitarischen Partei stellte, während der Präsident Rosas vonBue-uos Ayres die föderalistische unterstützte, erregte einen Bürgerkrieg, der bald zu einemKriege