Talfourd Talg 81
oft erst auf spätere Veranlassungen in sehr verschiedener Weise kund gibt. Das Talentäußert sich immer in einer individuell bestimmten Richtung und scheint das Productzu-sammenwirkender, jedoch für den einzelnen Fall nicht nachzuweisender Verhältnisse zu sein.Durch diese Jncommensurabilität und Eigenthümlichkeit der geistigen Thätigkeit des Indi-viduums ist das Talent verwandt mit dem Genie (s. d.). Der Unterschied beider ist aberdeshalb nicht leicht-zu bestimmen, weil der Sprachgebrauch in Beziehung auf beide Wörterschwankend ist. Daß das Genie das Talent überragt, darüber ist man einverstanden; aberob es sich von ihm der Art oder nur dem Grade nach unterscheide, darüber sind die Mei-nungen getheilt. Will man das Talent für eine einzelne ausgezeichnete Richtung der geisti-gen Produktivität, das Genie für die Harmonie aller geistigen Kräfte erklären, deren Zu-sammenwirken ohneUberlegung und Anstrengung, wie durch Inspiration das Vortrefflichstehervorbringt, so vergißt man, daß eine universelle Genialität wenigstens nicht in der Ersah-rung gegeben ist, daß die größten Genies in ihren Leistungen auf einen bestimmten, nurrelativ weiten Kreis beschränkt blieben, und daß die Grenze, wo das durch Studium be-reicherte und ausgebildete Talent den Wirkungen des Genies sich nähert, in einzelnen Fällenkaum mit Sicherheit angegeben werden kann. Vgl. Jean Paul, „Vorschule der Ästhetik",der in eigenthümlicher Weise männliche und weibliche Genies unterscheidet, welche letztereihm das Mittelglied zwischen dem Talente und dem Genie bezeichnen.
Talfourd (Thom. Noon), gewöhnlich Serjeant Talfourd genannt, Weiler dieWürde eines Sersegllt-at-Iurv oder Sachwalters erster Elaste bekleidet, engl. Dichter undParlamentsmitglied, wurde im I. 1795 zu Reading geboren und in den Grundsätzen derunitarischen Dissenters erzogen, die er aber später mit denen der engl. Hochkirche vertauschte.Er erhielt eine gute Schulbildung, namentlich in den klassischen Sprachen, von deren gründ-lichem und geistvollem Studium alle seine Schriften Zeugniß oblegen. Als Knabe von16 Jahren veröffentlichte er >811 zuerst seine „koems <>n vsricms sulsiects". Eine Univer-sität zu besuchen erlaubten ihm seine Vermögensverhältnisse nicht, daher er sich der juristischenLaufbahn widmete, unter der Leitung des berühmten Chetty, dem er bei seinem großenWerke über Criminalrecht Beistand leistete. Seinen Unterhalt erwarb er sich durch Aufsätzeim „Kerv montblx insgaruriq", im „LUinburgli revieev" und in andern Zeitschriften, welchespäter gesammelt erschienen (Lond. 1843). Im I. 1821 ward er zur Bar berufen und er-warb sich allmälig eine bedeutende Praxis. Hierauf wurde er 1834 Parlamentsmitgliedfür Reading und 1839 von neuem gewählt; 1841 verzichtete er auf die Wiederwahl. Ambekanntesten hat er sich als Parlamentsmitglied durch die von ihm cingebrachte und wieder-holt, obwol ohne entscheidenden Erfolg, vertheidigte OopxriAbt bill gemacht. Am berühm-testen ist T. indessen durch seine Trauerspiele geworden, die das klassische Drama zumMuster genommen haben und Einheit der Handlung, Klarheit der Form und klassischeEleganz zugleich besitzen. Sein erstes Drama „lau", das > 836 auf dem Coventgarden-Theater zur Aufführung kam, fand allgemeinen und unter den damaligen VerhältnissenErstaunen erregenden Beifall; es ist zugleich sein bestes Werk. Ihm folgte bald ,,'l'be^tkenisn captive" auf dem Haymarket-Theater, ebenfalls in klassischem Stile, und „Olon-coe", ein Familienstück, das geringer» Werth hat und weniger Beifall fand. Alle dreiDramen erschienen vereinigt zu London 1844. Seitdem scheint er sich von der Bühne zu-rückgezogen zu haben. Er hat außerdem noch eine Anzahl politischer und belletristischerBroschüren herausgegeben; sein neuestes Werk ist „Vacstion rambles ancl rkougcht,-,recvllections ok tbrse continentsl tours. In tbe vscstinns ak >841 , 1842, 1843"(2Bde.,Lond. 1845), eine ansprechende Beschreibung seiner Reisen durch Frankreich, dieSchweiz und am Rhein.
Talg, Unschlitt oder Insekt nennt man dasjenige thierische Fett, hauptsächlichvon geschlachteten Rindern und Schafen, das im Innern des Körpers, wo es sich vorzugs-weise um Nieren und Gedärme ansetzt, gefunden wird. Geschmolzen wird der Talg zumeistzu Lichtern und Seife verwendet. Der beste Talg kommt aus Holland, Irland, Polen undaus Kasan. Im Handel unterscheidet man Platztalg und Markttalg. In der Arznei-und Wundarzneikunst wendet man den Bocks - und Hirschtalg an. Der Talg vonConv.-rex. Neunte Ausl. XIV, 6