86 Talent (Gewicht) Talent
Häuptling Donald Mac Murghe bezwang. Als Heinrich V. (s. d.) 1417 seine Expeditionnach Frankreich unternahm, folgte ihm T. und zeichnete sich sogleich durch Muth und Kriegs-geschick auS. Er half Domfront und Rouen belagern, vertrieb die Franzosen au§ Mansund betheiligte sich an der Erstürmung von Laval und Pontorson. Nachdem der Graf vonSalisbury vor Orleans gefallen, leitete er mit mehren andern Kriegshäuptern die Bela-gerung des Platzes, der endlich von der Jungfrau von Orleans entsetzt wurde. Nach zahl-reichen Niederlagen, welche seitdem die engl. Waffen erlitten, übernahm T. den Oberbefehlund stellte daS KricgSglück wieder her. Er eroberte 1433 viele feste Städte in der Norman-die, nahm 1435 Saint-Denis und schlug die Franzosen im folgenden Jahre vollständig beiRouen. Im I. 1437 fiel Pontoise in seine Hände, und Crotoy wurde von ihm entsetzt.Mangel an Truppen und hinreichender Unterstützung aus England überhaupt zwang ihnjedoch, die Eroberungen auszugeben und sich nur auf dieVertheidigungzu beschränken. Gewißwäre Frankreich eher von seinen Feinden befreit worden, hätte nicht der gefürchtete, energischeT.Alles aufgeboten, sich so lange als möglich zu behaupten. Heinrich VI. erhob ihn i 442 zumGrafen von Shrewsbury in England und zum Grafen von Waterford und Wexford in Irland.Ungeachtet blutiger Anstrengungen mußteT. 14 49 den Franzosen zu Rouen unterliegen undsich selbst zur Bekräftigung der Capitulation als Geisel stellen. Er erhielt >4 5» seine Frei-heit wieder und unternahm nun eine fromme Reise nach Rom. Nach seiner Rückkehr über-trug ihm der engl. Hof abermals den Oberbefehl in Ernenne, welche den Engländern unter,worfene Provinz König Karl VII. (s. d.) von Frankreich soeben überzogen hatte. T. erschienim Oct. 1452 mit einem Corps von 4099 M., eroberte im Fluge eine Menge bedeutenderStädte, darunter Bordeaux, wo er sich festsetzte. Indessen bedrängten die Franzosen seitdem 13. Juli 1453 Castillon (Chätillon de Perigvrd), und er sah sich genothigt, mit seinemSohne, der ihm 5999 M. aus England zuführte, dem Platze zu Hülfe zu eilen. Nachmehren blutigen Gefechten unterlag er hier der franz. Übermacht und starb, schwer verwun-det, am 29. Juli l 453. Sein Sohn erlitt dasselbe Schicksal. Die engl. Armee floh aus-einander und rettete sich zum Theil auf die Schiffe, welche an der Küste lagen. Die Ehren-haftigkeit und Mäßigung, die T. in diesen langen, wilden Kämpfen mit ritterlichemHeldenmuthe verband, brachten ihn auch bei den Franzosen in hohe Achtung. Freund undFeind nannten ihn den Achill von England. Man brachte einige Jahre später seine Gebeineaus Frankreich nach Whitchurch in der Grafschaft Shrop, wo man ihm ein Denkmal errich-tete. Seine Familie nimmt noch gegenwärtig eine der ersten Stellen in der brit. Aristokratieein. Das Familienhaupt ist jetzt JohnT., 16. Graf von Shrewsbury, von Waterfordund Wexford, geb. am 18. März 1791.
Talent, griech. Talanton, eigentlich die Wage oder das Gewogene, nannten dieGriechen theils ein Handelsgewicht, welches in den verschiedenen Staaten von verschiedenerSchwere war, im Allgemeinen aber etwa einen halben Centner betrug, theils und weit häu-figer eine jenem Gewichte ursprünglich entsprechende Geldsumme. In letzterer Bedeutunghat man aber unter Talent nicht etwa eine geprägte Münze zu verstehen, sondern dasselbediente nur als Nennwerth einer bestimmten Geldsumme, die jedoch ebenfalls nicht immereinen gleichen Betrag hatte. Das gewöhnlichste Talent, welches stets von den Alten gemeintist, wenn keine weitere Bestimmung dabei steht, war das attische und enthielt 69 Minenoder nach unserm Geld« 1375 Thlr.
Talent bezeichnet eine ausgezeichnete Geistesfäyigkeit. In diesem Sinne spricht mantheils von technisch-praktischen Talenten, welche sich durch einen sichern und raschenÜberblick über die Mittel zu bestimmten äußern Zwecken wie durch die Gewandtheit ihrerBenutzung und die Leichtigkeit in der Ausführung verrathen, theils von Kunsttalentenfür ästhetische Probuctionen, welche sich häufig mit den technisch-praktischen vereinigen, theilsendlich von theoretisch-scientifischen, sei es nun, daß man dabei mehr auf die Gegen-stände (mathematisches, philosophisches, kritisches Talent u. s. w.) oder mehrauf die Modalität der geistigen Thätigkeit Rücksicht nimmt. Der innere Grund der Ver-schiedenartigkeit der einzelnen Talente ist, wie Alles, was unter den allgemeinen Begriff derAnlage fällt, eines der tiefsten Probleme der Psychologie, dessen Lösung um so schwierigerist, je mehr sich das Talent bei verschiedenen Individuen oft von der frühesten Kindheit an,