Taganrog Tagsatzung 77
steht man unter Tag einen Zeitraum von 24 Stunden, welcher noch röm. Recht« von Mit-ternacht anfängt und bis zur folgenden Mitternacht dauert. Wenn von Erwerbung einesRechts die Rede ist, so ist in der Regel nur nothig, den Anfang des Tages zu erreichen, wel-cher dazu bestimmt ist. Wer aber binnen einer gewissen Zeit Etwas leisten soll, hat dazu nochden ganzen letzten Tag. In einigen Fällen, vornehmlich bei Einwendung von Rechtsmit-teln, wird jedoch von Stunde zu Stunde gerechnet, sodaß ein um 16 Uhr Morgens eröffne-tes Erkenntniß am zehnten Tage Morgens >6 Uhr rechtskräftig wird. — Tag nennt manauch eine im voraus bestimmte Versammlung, z. B. Reichstag und Landtag, Fürstentagu. s. w. (S.Vertagen.)
Taganrog, eine wichtige See- und Hafenstadt im südlichen Rußland, im Gouver-nement Zekaterinostaw, auf einem Vorgebirge des Asowschen Meers, der Hauptstapelplatzfür Don, Donau und Wolga, nächst Odessa bisher die blühendste Handelsstadt Neuruß-lands, wurde von Peter dem Großen 1699 angelegt, im Frieden am Pruth 171 l zwarwieder aufgegeben, aber >768 von Katharina II. neu begründet. Sie liegt in einer Gegend,die vordem eine nur von Nomaden belebte Steppe war, die jetzt aber durch Cultur in einenwahren Garten umgcschaffen ist, wo die herrlichsten Südfrüchte gedeihen und Getreide undGemüse den reichsten Ertrag liefern. T.hat wegen der kühlenden Seewinde und wegen seinersüdlichen Lage ein sehr gesundes und mildes Klima. Die Stadt zählte imZ. 1869 12565 E.,darunter viele Griechen und Armenier, sieben Kirchen und 44 Fabriken. Unter den öffentlichenGebäuden zeichnen sich aus die Admiralität, das Seehospital, die Ouarantaineanstalt, dieWechselbank, das Handelsgymnasium und die von 176 Waarenhausern umgebene, im edelnStil erbaute Börse, wogegen die Gebäude der Cidatelle größtentheils verfallen sind. Sieist der Sitz eines eigenen Stadtguberniums; der Oberbefehlshaber steht unmittelbar unterdem Kaiser und verwaltet die Militair-, Hafen - und Stadtpolicei, die Bauten, Quaran-taine, Zölle u. s. w. Die Einwohner nähren sich durch Fischfang, Industrie und Handel.Unter den Fabriken sind besonders > 5 Saffian- und Leder-, zehn Licht- und Seifen-, sechsTau-, drei Maccaroni- und eine große Wachstuchfabrik zu erwähnen, neben welchen noch über26 Ziegeleien, sowie fünf Kalkbrennereien bestehen. Der Handel ist besonders durch diegünstige Lage des Orts, sowie durch drei Messen, die hier jährlich gehalten werden, zu einembedeutenden Aufschwünge gekommen. Die Hauptgegenstände der Ausfuhr sind Getreideund Mehl, Talg und Seife, Butter, Wachs, Honig, Pelzwerk, Wolle, Taue, Fische undKaviar. Der Verkehr würde noch bedeutender sein, wenn T. einen liefern Hafen hätte, soaber können nur mittelmäßige Schiffe hier einlaufen, nachdem sie sich zuvor zu Feodosiaoder Kertsch erleichtert haben, während alle größere Fahrzeuge zwei Meilen von T. im Meereliegen bleiben müssen. Naturgeschichtlich berühmt ist T. durch den Umstand geworden, daß1814 sich dicht bei der Stadt nach einem starken und dumpfen Getöse eine Insel aus demMeere erhob, die indessen bald wieder verschwand. Zn neuester Zeit ist T. auch noch historischmerkwürdig geworden durch den hier am I. Dec. 1825 erfolgten Tod Kaiser Alexander's. dem hier >831, in der Nähe des griech. Klosters, ein schönes Denkmal geweiht wurde, wel-ches aus einer kolossalen Erzstatue desselben besteht.
Tagesbefehl ist die gewöhnlich schriftlich gegebene Anordnung Dessen, was im Laufedes Tages bei einem Truppentheile geschehen soll. Er geht nur vom höchsten Befehlshaberder zu einem Ganzen vereinigten Truppen aus und umfaßt die Bestimmung der Märsche,der cinzunehmenden Stellungen, der für die Verpflegung zu treffenden Maßregeln undDisciplinarbefehle; die letzter« sind meist nicht blos auf die nächste Zeit gültig, sondernwerden ein für allemal ertheilt. Der Tagesbefehl wird gewöhnlich mit der Parole zugleichausgegeben und unterscheidet sich von den zu Märschen und Gefechten ertheilten Dispo-sitionen (s. d.) durch größere Kürze und Allgemeinheit der Bestimmungen.
Tageslicht, s. Licht.
Tagfalter, s. Schmetterlinge.
Tagliamento , ein unbedeutender Fluß in Friaul, ist durch das Arrieregardengefechtbekannt, welches hier am 12. Nov. 1865 zwischen den sich zurückziehendcn Östreichern unterErzherzog Karl und den Franzosen unter Massena vorsiel.
Tagsatzung, s. Vertagen.