Tabackscollegirlm Tabackspfeifen 71
Aufguß oder den Rauch von angezündeten Tabacksbläktern in den Mastdarm bringt. Siesind besonders bei eingeklemmten Brüchen und Scheintod von Nutzen. Wenn das Rauchennicht durch Übermaß oder durch zu reichlichen Spcichelauswurf oder Unvorsichtigkeit in Hin-sicht auf die Augen schädlich wirkt, so ist es ein unschuldiges Vergnügen und sogar zur Be-förderung der Verdauung, zur Verhütung von miasmatischer Ansteckung, zur Stillung ner-vöser Zahnschmerzen und bei übelriechendem Athcm nützlich. Ebenso leistet das Schnupfenals diätetisches Mittel zur Vermehrung der Absonderung in der Nasenschleimhaut bei man-chen Augenübcln, Stockschnupfen, mehren Arten Kopfschmerz u. s. w. gute Dienste. Jedochist der Vorwurf, daß beide Gebrauchsarten den Geschmacks- und Geruchssinn abstumpfen,nicht ungegründet. Vgl. Neandcr, „Hucologiu" (Leyd. 1626) und Fvwler, „On tbsekksets ok toliacco" (Lond. 1785).
Tabackscollegium hieß die Abendgesellschaft, die König Friedrich Wilhelm l. vonPreußen zu seiner Erholung und Freude fast täglich Abends um 5 Uhr zu Berlin, Potsdamoder Wusterhausen um sich zu versammeln pflegte. Die Thellnchmcc bestanden in Mini-stern, Stabsoffizieren, durchreisenden Skandcspcrsouen und Gelehrten, auch wohl in ehr-baren und erfahrenen Bürgern, in Hofnarren oder Denen, die sich als solche brauchen ließen;auch der Schullehrer von Wusterhausen war beständiges Mitglied. Alle Anwesende muß-ten Taback rauchen und Die, welche nicht rauchten, die Pfeife wenigstens in den Mundnehmen. Dabei wurde Bier, das in wcißenKrügen vor denGasten stand, getrunken, Butter-brot und Käse, spater auch öfters Wein, herumgercicht, wobei Jeder sich selbst bediente. DieUnterhaltung bezog sich aufLecture von Zeitungen, Bemerkungen über Politik und Kriegs-geschichten und Besprechung von Tagcsneuigkciten; auch wurden mancherlei Spaße, bis-weilen sehr derber Art, getrieben, die Niemand übclnehmen durfte und die auch der Königsich gefallen ließ. Am übelsten wurde gewöhnlich dem bekannten Professor Gundling(s. d.) mitgespielt. Übrigens war es Gesetz, daß Niemand aufstehen durste, wenn ein Ande-rer, den König nicht ausgenommen, in die Gesellschaft trat; auch war das Kartenspiel ver-boten, dagegen galten Schach und Dame für erlaubt und der König selbst spielte bisweilenmit dem General von Flanß eine Partie Toccategli. Der König kam oft tiefsinnig und ver-drießlich in diese Gesellschaft, verließ sie aber nie anders als aufgemuntert und vergnügt. DasTabackscollegium ist für die preuß Geschichte wichtig, weil in demselben der König zu Man-chem überredet wurde, wozu er anderweitig sich niemals verstanden haben würde; auch be-richteten alle fremde Gesandten pünktlich an ihre Höfe, was irgend daselbst gesprochen wurdeund vorfiel. Die Zusammenkünfte des Tabackscollegiums hörten auf, als einst die Mitglie-der desselben, in Anwesenheit des Königs, beim Eintritt des Kronpriinen gegen die ein-geführte Ordnung sich von ihren Stühlen erhoben. Der König gerieth darüber in solcheHitze, daß er fo-rtlief und den Teilnehmern der Gesellschaft das Schloß verbot. Eine dra-matische Darstellung ist in K. Eutzkow's „Zopf und Schwert" enthalten.
Tabakspfeifen. Wie der Taback und der Gebrauch desselben aus Westindien stammt,so ist auch die Tabackspfcifc in ihrer rohesten Gestalt ein westind. Product, wie dies die Be-schreibung einer solchen aus dem 1.1406 von dem span. Mönch Roman Pano beweist, den Co-lumbus bei seiner zweiten Rückreise aus Amerika dort ließ und der den Taback auf San-Do-mingo kennen lernte. Die Wilden in Panama rauchten den Taback so, daß sie ein zusammenge-rolltcs Tabacksblatt an einem Ende anzündcten und sich durch das andere Ende den Rauch voneinem Knaben ins Gesicht blasen ließen; in Canada hatte man indeß schon damals das Calu-met, eine große mit allerlei Ba»dcrn und bunten Läppchen gezierte Pfeife. Buch die thünerncnTabackspfeifen, die sogenannten holländischen, sind überseeischen Ursprungs. Nich. Erecu-ville, der Virginien entdeckte, sah hier solche im I. 1585, die dann in England nachgeahmkwurden. Fabrikmäßig wurden dieselben jedoch zuerst in Holland und zwar inEouda gemach:,und obschow jetzt auch in Deutschland die thönerncn Pfeifen au vielen Orten fabrieirt wer-den, so sind doch die holländischen die besten. Die jetzt in Deutschland gebräuchlicheuTabacks-pfeifen mit Mundstück und Abguß oder Schwammdose erfand vr. Joh. Jak. Frau; Vica-rius, einöstr. Arzt, imJ. 1689. Die sogenannten Wasserpfeifen, in welchen dcrRauchdes brennenden Taback», ehe er in das Pfeifenrohr kommt, durch eine Schicht Wasser «chiund dort gewaschen und abgckühlt wird, sind von den Persern zu uns gekommen. Das Un-