72 Tabago Tableaux
angenehme, was der Rauch hat, wenn er zu heiß in den Mund kommt, hat die langenPfeifenrohre erfinden lassen. Zn der Levante findet man in den Kaffeehäusern auf den Ti-schen große Gefäße mit glimmendem Taback und vielen Öffnungen an der Seite, in welche dieBesuchenden ihre Pfeifenrohre, welche sie selbst mitbringen, stecken und dann rauchen. DerGebrauch des Meerschaums (s. d.) zu Pfeifenköpfen ist sehr alt und stammt aus der Le-vante. Später wurden dieselben in Deutschland, namentlich in Lemgo und Nürnberg, imGroßen gefertigt und oft sehr kunstreich geschnitten. Gegenwärtig find die besten Pfeifen-schncider in Wien. Die Abgänge beim Schneiden warf man anfangs weg, bis im Z. >770Christoph Dreiß zu Ruhla in Sachsen - Weimar auf die Idee kam, diese Abfälle wieder aufneue Pfeifenkopft zu bearbeiten, welche unter dem Namen der unechten Meerschaumköpfe be-kannt sind. Die besten und der Gesundheit zuträglichsten Pfeifenköpfe sind unstreitig die vonMeerschaum und die von Porzellan. In der neuesten Zeit hat der übermäßige Gebrauchvon Cigarren die Pfeife größtentheils aus dem öffentlichen Leben verdrängt.
Tabago oder Tobago, eine der kleinen Antillen in Westindien, südöstlich von Gre-nada und nordöstlich von Trinidad unter 11'/?" nördl. Br. und 42V? westl. L. gelegen, eineBesitzung der Engländer, zählt auf ungefähr sechs LäMeilen gegen I320NE., worunterkaum403 Weiße; die übrige Bevölkerung besteht aus Farbigen und Schwarzen, die jetzt sämmtlichfrei sind; auch gab es vor einiger Zeit hier noch echte rothe Karaiben. Das Land hat nurmäßige Hügel und stimmt in seiner natürlichen Beschaffenheit ganz mit dem benachbartenTrinidads;', d.) überein. Das Klima ist sehr ungesund. Die Hauptproducte find Baum-wolle, Zucker und Num. Die Hauptstadt ist Scarborough. Im I. >408 von Columbusentdeckt, und seit! 032 im Besitz der Niederländer, wurde die Insel nach Vertreibung der-selben durch Spanier besetzt, was aber jene nicht hinderte, >664 sich von neuem anzusiedeln,worauf sie wieder durch die deutsche Colonie beeinträchtigt wurden, die 1655 der Herzog vonKurland dahin führte, die sich aber denHollandcrn unterwerfen mußte, deren Niederlassunghinwiederum von den Spaniern und Eingeborenen zerstört wurde. Nachdem die Engländerund Franzosen sich wiederholt wechselseitig vertrieben hatten, führten Letztere i677 alle Ein-wohner hinweg, sodaß die Insel ganz verödete. Erst 1748 fingen sie an, die Insel wieder zueolonisiren; im Z. 1763 wurde dieselbe an England, 1783 wieder an Frankreich und im pa-riser Frieden von 1814 abermals an England abgetreten.
Tabernakel (Dskernaculum), d.i.Zelt, heißt in der lat.Bibelübersetzung dieSkifts-hütlc der Israeliten, in katholischen Kirchen das kleine altar- und nischenförmige, gewöhnlichreich verzierte Behältniß, worin die geweihte Hostie auf dem Hochaltar verwahrt und zurSchau ausgestellt wird, endlich auch eine kleine, mit Säulen und Giebel versehene Nischezur Verwahrung von Heiligenbildern, Reliquien und andern Heiligthümern. Die Metho-disten nennen ihre Bethäuser Tab ern akel, um dadurch an die Stiftshütte zu erinnern.
Tabernen (Tuberns«) hießen in Rom in frühester Zeit die das Forum ringsum um-gebenden öffentlichen Buden oder Läden für den Kleinhandel der Handwerker und Kauf,lente, worin dieWaaren theils gefertigt, kheilsschon fertig zum Verkauf ausgeboten wurden.Später bezeichne» man damit die Wcinschenkcn oder Belustigungsörter für Personen nie-dcrn Standes, die aber bei den Römern nicht im besten Ruse standen, da sie außer den Freu-dm der Tafel und des Bechers auch Flötenspielerinnen und gefällige Mädchen darboten,daher man noch jetzt ein gemeines Wirthshaus eine Taberne nennt. Vgl. Ritschl,„Überdie Tabernen in Rom" (Bonn l 845). (S. Gasth äuser.)
Tableaux oder Lebende Bilder nennt man die Gemäldedarstellungen durch le-bende Personen, welche jetzt theils als künstlerische Übungen, theils als sinnreiche und reizendeFestspiele beliebt sind und besonders in Berlin fast jeder Gemäldeausstellung folgen, wo siezum bessern Verständniß oder zur Erhöhung des Eindrucks von Musik, Gesang oder Redebegleitet werden. Ihre ersten Spuren finden wir in den pantomimischen Tänzen der Alten;doch waren sic dort mehr eine Reihenfolge von Stellungen, von denen nur einige, Minutenlang festgehalten, wahre Tableaux bildeten. Am Ende des vorigen und zu Anfang diesesJahrhunderts waren sie fast in ganz Deutschland üblich, besonders aber im katholischenTheile, wo man zur Zeit der Kirchcnfeste Semen aus der biblischen Geschichte darstellte. Ge-genwärtig noch findet man dies besonders in Oberbaiern und Tirol selbst auf dem Lande. In