Syrien 63
land von Palästina, das sich im Süden des Tobten Meeres in das Wüstenplateau el Tyhverwandelt, welches sich bis zum Sinaigcbirge und der Landenge von Suez fortseht, wo eineEinsenkung, die sich vom Meerbusen von Suez bis zum Mittelländischen Meer zieht, es vonÄgypten scheidet. Im Osten ihrer großen Längcnfurche steigt die syr. Gebirgsplatte miteinem steilen Felsenrande auf, der sich namentlich im Antilibano-n und im östlichen Palästina zuhohem Gebirgen erhebt. Auf seiner Ostseite dacht sich dagegen dieser östliche Streifen der syr.Gebirgsplatte sanfter gegen die Hochebene ab, welche, von niedrigen Felskämmcn durchzogen,im Osten von Damaskus, da, wo die Bewässerung aufhört, zur Syrischen Wüste wird undsich in ihr allmälig zum Ticflande des Euphrat hinabsenkt. Obgleich S. zu den Ländern derasiat. Ncgenzone gehört, so hat es doch im Allgemeinen ein trockenes, in den niedrigem Ge-genden verhaltnißmäßig sehr heißes, continentalcs, dem arabischen sehr ähnliches Klima.Dürre und Vegetativnsarmuth charakterisiren daher sowol die Hoch- wie die Tiefebenen S.s.Nur da, wo sich reichere Bewässerung mit höherer Lage und einer mehr maritimen Atmo-sphäre vereinigt, wie in den Terrasscnlandschaften des Libanon, zeigt die Vegetation einengroßem Ncichthum. Dieselbe trägt im Ganzen einen subtropischen Charakter. Daher er-scheinen in den reicher bewässerten Thälern und Küstenlandschaften Wälder von immer-grünen und absterbenden Bäumen, Rasenflächen und kleinere Wiesenstrecken, und unter denCulturpflanzen werden Weizen, Mais und Reis gewöhnlich, wahren?! die eigentlich tropi-schen Nahrungspflanzcn mehr und mehr verschwinden. Zugleich ist die Cultur des Weins,der Baumwolle und des Maulbeerbaums beträchtlich, und neben den Südfrüchten, den Öl-und Feigenbäumen gedeihen feinere Obstarten, die wahrscheinlich mit von hier über dasAbendland verbreitet worden sind. Doch in den an Arabien grenzenden Theilen findet sichauch arab.Dürre und Pflanzcnarmuth wieder. Die Thierwelt S.s ist der arabischen so ähn-lich wie das Klima und die Vegetation. Das Kameel ist fast von derselben Bedeutung wiein Arabien, und hier wie dort sind die Einöden des Landes die Heimat der Gazelle, des wil-den Esels, des Straußes, des Löwen, der Hyäne, des Schakals und anderer Raubthiere.Das Mineralreich ist noch sehr undurchforscht. Der Hauptbestandthcil der Gebirge S.s istKalk, Bergkalk im Libanon, Kreide im Antilibanon, und Jurakalk in Palästina. DerBergkalk im Libanon, dem Kohlensandstein mit Steinkohlenflötzcn aufgelagert ist, führt stock-artige Eisensteinlager; der Jurakalk Palästinas ist dagegen stellenweise durch vulkanischeGebilde durckbrochen, die besonders im Gebiete des Jordan und des Tobten Meeres häufigsind, wo heiße Quellen, Erdharzquellen und Lager, Schwefel u. s. w., die Formen derGebirge die unverkennbaren Zeugen vulkaniscker Kräfte sind, welche, wie die Erdbeben be-weisen, die bis in die neueste Zeit herab ganz S., vorzüglich aber Palästina erschütterten,noch immer in unterirdischer Thäligkeit sich befinden. Sonst ist von Mineralien nur noch dasSalz zu erwähnen, welches auch als Ausfuhrartikel dient. Die Zahl der Einwohner S.swird aus etwa IV- Mill. berechnet. Sie bestehen aus verschiedenen Völkerschaften, die sich imLaufe der Zeiten, meist in Folge religiöser Absonderung, aus den Ureinwohnern gebildet ha-ben oder eingewandert sind, noch immer aber dem größten Theil nach zur semit. Völkerfami-lie gehören. Die Mehrzahl der Bewohner, 565000, besteht aus Mohammedanern, die meistarab. Ursprungs sind, mit Einschluß der Beduinen, die an den Grenzen des Landes und indemselben umherziehen; ferner gehören hierher auch die die Herren des Landes bildendenwenigen Türken, und einige im Norden des Landes umherziehende Turkomanen- und Kur-denstämme. Fast ebenso zahlreich sind die Christen; zu ihnen gehören die antiochen. oderorthodoxen griech. Christen, gegen 2-10000 an der Zahl, welche durch das ganze Landverbreitet find; dieMaroniten (s. d.), gegen 200000 ; die übrigen röm.-katholischenGemeinden, gegen 60000 ; Armenier und andere Sekten, gegen 60000 Seelen. Sie spre-chen sämmtlich Arabisch, was überhaupt als die Landessprache zu betrachten ist, denn dieSyrische Sprach e (s. d.), welche nur noch von den Nestorianern in Kurdistan gesprochenwird, ist in S. ganz ausgestorben. Außerdem gibt es in S. noch viele Juden, namentlichin Palästina, wo sie noch ansehnliche geschlossene, auch ackerbauende Gemeinden bilden; fer-ner mehre andere Völkerschaften mit eigenthümlichen, dem Islam näher oder entfernter ver-wandten Religionen; so die Drusen (s. d.), gegen 100000; die Motualis oder Jezidenin Cölesyrien, gegen 20000; die Ansarieh, im nördlichen S., gegen 25000 Seelen, die