Reformirts Kirche 751
1 ander- als Zwingli, indem er annahm, Leib und Blut Christi sei geistig im Abendmahl zu-gegen und wirke übernatürlich auf das Gemüth des Genießenden; aber stärker hob er eineandere Lehre heraus, nämlich die von der Gnadenwahl und Vorherbcstimmung odcrPrädesti-j Nation, welche er zu einer Hauptunterscheidungslehrc seiner Gemeinden machte. (S. Gnad e.)
- Auf eine selbst den freudigen Glauben an Christus kränkende Weise ausgebildet, mußte die"?
^ selbe nothwendig Widerspruch erregen, neue Zwietracht in den reformirten Gemeinden cr-
, wecken und die Spaltungen mehren. So wurden zwar, ehe Calvin starb, die kirchlichen Ver-
! hältnifse der Schweiz fester gestaltet, auch Glarus, Appenzell, Biel, Graubündten und Neuen-
burg den reformieren Gemeinden zugethan, diese aber keineswegs zu einer eigentlichen kirch-, lichen Gemeinschaft verbunden.
Auch die verschiedene Weise, wie außerhalb der Schweiz, insbesondere in den Nieder-! landen, Frankreich und England, sich die Reformation entwickelte und die reformirten Ge-meinden sich bildeten, ließ eine eigentliche Kirche der Reformirten nicht zu Stande kommen.In allen diesen Landern gaben sich die Evangelischen eigene, von den andern abweichende Bc-kenntnißschriften; nicht Eine konnte bei Allen Anerkennung und Annahme gewinnen, undauch die inner» wie die äußern kirchlichen Verhältnisse wurden überall anders geordnet. Selbstdie Staatsvcrhältnissc der einzelnen Länder wirkten auf die Bildung der Gemeinden sehrungleich ein. Zwingli hatte sein und der SeinigenGlaubensbckenntniß >53" auf dem Reichs-tage zu Augsburg dem Kaiser auch übergeben fassen, abcr es wurde nicht zu einem allgemei-nen Bekenntnis der Reformirten. Die Schweizer suchten, um durch ein Bündnis mit denEvangelischen in Deutschland gegen Gewaltthätigkeiten der Katholischen gesicherter zu werden,eine Ausgleichung der Streitigkeiten mit jenen, besonders in der Lehre vom Abendmahle;doch die nach langen Verhandlungen darüber endlich zu Stande gekommene Wittenberger, Concordie (s. Sa er am ent) hatte keinen Bestand, da bald nachher die Züricher ihre Über-^ zcugung noch bestimmter aussprachen, um jeden Verdacht einer heuchlerischen Übereinstim-^ mung mit der protestantischen Lehre von sich abzulehnen. Nachher wurde in dem „<7<>i>seu-MIS tiginielisis" (15-t!>) zwar der Streit zwischen den Zürichern und Calvinischcn Genfer»bcigelegt, aber auch hier keine Vereinigung in Einer Überzeugung bewirkt. So blieb inner-lich und äußerlich die Lage der reformirten Kirche der Schweiz schwankend. Im westfäl.Frieden wurden die Reformirten der Schweiz als augsburger Confessionsverwandte undzugleich als kirchliche Partei anerkannt, wodurch sie äußere Sicherheit gewannen; da sie indeßdie Augsburger Confession nicht unbedingt annahmen, da vielmehr derbeiweitem größte Thcilder reformirten Gemeinden durchaus nur in äußerlicher Beziehung sich als augsburger Con-fcssionsvcrwandte betrachtete, so wurde dadurch in keiner Hinsicht ein fester und einiger Be-stand der reformirten Kirche bewirkt. Endlich, nach langen Kämpfen, glaubten die Neformir-ten der Schweiz den Alles verwirrenden Streitigkeiten durch ein neues symbolisches Buchbegegnen zu müssen, und >67 1 verfaßte der züricher Theolog Joh. Heinr. Heidegger die> „IHmiiIa consensus Iielvmici" in 26 Artikeln, mit besonderer Rücksicht auf die damaligen! theologischen Streitigkeiten unter den reformirten Theologen. Diese neue Eintrachtsformelwurde seit >675 allmälig von den reformirten Schweizercantoncn angenommen, aber von vie-len nicht mit wahrer Überzeugung, und konnte daher selbst in der Schwei; nicht vollkommeneEintracht Herstellen. Noch weniger nahmen die nichtschweizerischcn Reformirten dieselbe an,! widersprachen ihr vielmehr sehr bestimmt, und so wurde durch sie nur neue Zwietracht erweckt.! Unter schweren Kämpfen hatte sich die Reformation in den Niederlanden, anfangs
nach dem Lutherischen Typus, verbreitet. Das niederländ.Glaubensbekenntniß (1551) neigtesich aber gänzlich zur Schweizerlehre und wurde nachmals vielfältig abgeändert. PrinzMoritz von Oranien war der reformirten Lehre zugethan und suchte diese geltend zu machen.Bald jedoch wurde auch hier unter den Reformirten mannichfacher Streit entzündet, zumalals Jak. Arminius die Calvinische Vorherbestimmungslehre zu mildern suchte, und seinAmtsgenosse in Leyden, Franz Gomar, besonders seit 1664, ihm heftig widersprach. Treff-liche Männer, wie Hugo Grotius u. A., stimmten zwar dem Arminius bei, und nach dessenTode vertheidigte Simon Episcopiu s (s. d.) seine Meinung; aber um so heftiger wurdeder Kampf, auf den auch die politischen Verhältnisse einwirkten. Die Arminiancr, von der16 Ivden Ständen von Holland übergebenenVekenntnißschrift „Remnnstrsntia" nun N e -