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Racine (Zean de)
nommen, in dessen Lecture er sich allzueifrig versenkt; N. aber wußte sich ein neues Exemplarzu verschaffen, lernte es auswendig und brachte es dann seinem Lehrer mit den Worten:„Nun können Sie auch dieses verbrennen." Im Collegium Harcourt zu Paris vollendete erseine Studien, welche sich, ungeachtet der Warnungen seiner Lehrer und seiner Tante, diesich unter dem Namen Agnes de Samte-Thccle im Portroyal befand, mehr und mehr derPflege der schönen Literatur zuwendeten. Seine erste literarische Production waren sechsOden „Oe Passage NU promsnackes ckanskort-Roz-al"; indessen wurde sein Name erst durchcineOde auf dieVermählung Ludwig's XIV. „Vnx n^mpbes eie Ia8s!ne" (1659) bekannt,welche ihm durch Vermittelung Chapelain's außer einer Gratification von 100 Louisdoreine Pension von 600 Livres eintrug, die in der Folge der König, als er denselben in einerneuen Ode „Oa renommee sux Muses" (1663) verherrlichte, auf 2000 Francs erhöhte.Sein Oheim, der Domherr zu Uzes in Languedoc war, veranlaßte ihn > 661, zu ihm zu kom-men, um ihm eine Stellung zu verschaffen. R. blieb nur ein Jahr im südlichen Frankreich,von dessen poetischem Leben er keine Ahnung erhielt, und bekam dann eine Pfründe zuEpinay, die ihm aber nichts einbrachte als einen Proccß, den er verlor. Dieses Ereigniß ver-dient deshalb erwähnt zu werden, weil es Veranlassung gab zur Abfassung seines einzigenLustspiels „Oes plaickeurs", einer geistreichen Nachbildung der Aristophanischen „Wespen".Eine Tragödie „Idealen« et Obariclee" hatte er auf Moliere's Rath vernichtet, der ihnveranlaßte, „Oa Tllebaicke" zu behandeln. Dieses Stück ist das erste Trauerspiel, welchesvon ihm 166-1 aufgeführt wurde. Weder in dieser Dichtung, noch im „Vlexanckre", der1665 auf die Bühne kam und ziemlichen Beifall fand, zeigte sich N. als wahrhaft selbstän-digen Dichter. Erst mit „Xnelromagns" (1667) machte er sich von der Nachahmung Cor-neille's frei, dessen Bewunderer er indessen bis an sein Ende blieb, so herabsetzend er selbstauch von diesem Dichter behandelt wurde. Auf„4nclrolna<zile", wo sich die innern Kämpfeder Leidenschaft zum ersten Male mit erschütternder Wahrheit Luft machten, folgten seinedramatischen Stücke in folgender Reihe: „kla!ckeurs"(t668), „Britanniens" (1669), „Be-renice" (>670), „Bsjaret" (1672), „5litbri<Iate"(l 673), „ss>biAenie"(> 67-t), „kbeckre"(1677), „Bstber" (1639) und „Xtkalie" (1692). Eine gerechte Würdigung R.'s ist nurmöglich, wenn man die beengenden Fesseln in Anschlag bringt, in denen während des Jahr-hunderts Ludwig's XIV. die dramatische Poesie schmachtete, und die selbst das bedeutendsteTalent nicht zu sprengen vermochte. Was aber R. innerhalb dieser Schranken leistete, istaußerordentlich. Er wußte in die starren, erstorbenen Formen einen neuen Geist zu hauchen,der sich in einer tiefen Empfindung und in einer alle Regungen des Herzens abspiegelndenSprache kund gibt. Kein franz. Dichter hat die Gefühle der Liebe, keiner das Bangen undVerlangen des weiblichen Herzens so wahr und zugleich so rein zu schildern vermocht wie er,sowie er auch, was Wohllaut und Harmonie des Verses betrifft, noch jetzt unerreicht dasteht.Betrachten wir seine Werke einzeln, so ist am „Britanniens" die historische Gründlichkeit zurühmen; „Bsrenice" ist ein idyllisches Trauerspiel voll zarter Gemüthlichkeit, recht eigent-lich eineLudwig XI V. dargebrachte Huldigung und als solche zu beurtheilen; „Bajaret" und„Nitki'ulate" gehören zu den schwächer» Arbeiten des Dichters und in Bezug auf seine„IpkiFsnie", welche bei den Franzosen lange für den Gipfelpunkt ihrer dramatischen Litera-tur galt, ist die übertriebene Bewunderung besonders durch Schlegel's Parallele auf dasrichtige Maß zurückgeführt. Die „kbeäre" steht namentlich in metrischer Hinsicht hoch,obgleich eS auch an wahrhaft poetischen Momenten nicht fehlt. Seine „Ostber" ist vielleichtals Trauerspiel zu tadeln, enthält aber treffliche lyrische Ergüsse, wie sie sich mit solcher Innig-keit nicht leicht bei einem andern franz. Dramatiker finden. Die „Xtkslie", ein wahrhaft reli-giöses Drama, ebenso wie „Bstker" aufbesondere Bitte der Frau von Maintenon vom Dichtergeschrieben, als er sich schon vom Theater zurückgezogen hatte, wird mit Recht für R-'s Mei-sterwerk erklärt, jedoch wurde sie, ebenso wie „Büeclrs", gegen die eine intrigante Partei dasunbedeutende, gleichnamige Machwerk Pradon's eine Zeit lang zu heben wußte, damals sehrmißgünstig ausgenommen, und Boileau, der treue Freund des Dichters, war fast der Einzige,der dem herrlichen Werke Gerechtigkeit widerfahren ließ. In „Bstksr" und „Vtbalie" ist derChor angewendet. Nachdem R. >673 Mitglied der Akademie geworden und 1677 sich vomTheater zurückgezogen hatte, wendete er sich, besonders seit seiner Verheirathung mit der